Seite:Helmholtz Akademische Freiheit 1877.pdf/26

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Hermann von Helmholtz: Über die akademische Freiheit der deutschen Universitäten. Rede beim Antritt des Rectorats an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin am 15. October 1877

Lehrer, die sich in solcher Weise ergänzen, bilden dann ein so starkes Anziehungscentrum für die Studirenden des Faches, dass beide keine Einbusse an Zuhörern erleiden, wenn sie auch in eine Anzahl der weniger eifrigen sich theilen müssen.

Allerdings werden aber unerfreuliche Wirkungen der Rivalität überall da zu fürchten sein, wo der eine oder andere der Lehrer sich in seiner wissenschaftlichen Stellung nicht ganz sicher fühlt. Auf die amtlichen Entscheidungen der Facultäten hat auch dies keinen erheblichen Einfluss, so lange es sich nur um Einen oder eine kleine Zahl der Stimmenden handelt.

Verhängnissvoller als solche persönliche Interessen kann die Herrschaft einer bestimmten wissenschaftlichen Schule über eine Facultät werden. Da muss man eben darauf rechnen, dass wenn diese Schule sich wissenschaftlich überlebt hat, die Studirenden sich allmälig anderen Universitäten zuwenden werden. Darüber kann allerdings ziemlich viel Zeit vergehen, und die betreffende Facultät für lange Zeit gelähmt werden.

Wie sehr die Universitäten unter diesem System die wissenschaftlichen Köpfe Deutschlands an sich zu ziehen gestrebt haben, zeigt sich am besten, wenn man sich umsieht, wie viele bahnbrechende Männer ausserhalb der Universitäten übrig geblieben sind. Das Ergebniss einer solchen Umschau ergiebt sich schon daraus, dass gelegentlich darüber gescherzt oder gespottet werden kann, wie in Deutschland alle Wissenschaft Professorenweisheit sei. Blickt man auf England, so stösst man sogleich auf Männer, wie Humphrey Davy, Faraday, Darwin, Grote, welche keinerlei Verbindung mit englischen Universitäten gehabt haben. Wenn man dagegen von den Deutschen Forschern diejenigen abzieht, welche von den Regierungen aus kirchlichen oder politischen Gründen fortgedrängt wurden, wie David Strauss, und diejenigen, welche als Mitglieder deutscher Akademien das Recht hatten Vorlesungen an

Empfohlene Zitierweise:
Hermann von Helmholtz: Über die akademische Freiheit der deutschen Universitäten. Rede beim Antritt des Rectorats an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin am 15. October 1877. August Hirschwald, Berlin 1878, Seite 26. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Helmholtz_Akademische_Freiheit_1877.pdf/26&oldid=- (Version vom 8.8.2025)