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2 EINLEITUNG. §1,1.

des Landes erfunden.1) Alljährlich überschwemmte der Nil das frucht- bare Ackerland und bedeckte mit seinem Schlamme die Marken des Grundbesitzes, alljährlich wurde daher durch genaue Vermessung den Besitzern das Ihrige wieder zugeteilt, eine Einrichtung, die jeden- falls ebenso alt ist, als überhaupt die ägyptische Kultur.

  Nicht so leicht wie zu dem Maßstabe für die Längen- und Flächenausdehnung gelangte man zu den Maßen für das Volumen und für die Schwere der Körper. Ursprünglich hat der Krug, in wel- chem Öl oder Wein aufbewahrt wurde, das größere oder kleinere Gefäß, in welches die Feldfrüchte geschüttet wurden, oder der mit Getreide gefüllte Sack, den ein Mann auf dem Rücken tragen konnte2), die Maße für Flüssiges und Trockenes abgegeben. Aus diesen ein- fachen Voraussetzungen erwuchs schon frühzeitig ein in sich ge- schlossener Zusammenhang aller Maße. Denn wenn das Gefäß, wel- ches als Hohlmaß diente, eine regelmässige Form erhielt, so war einerseits die Beziehung zu dem Längenmaße leicht aufzufinden, anderseits stellte die Wassermenge, welche das Gefäß füllte, ein be- stimmtes Gewicht dar. Zum vollendeten Ausdruck ist dieser Ge- danke erst in dem heutigen, vom Meter ausgehenden Systeme der Maße gelangt (§ 4, 2. 3); aber auf ähnliche Anschauungen war die Menschheit schon in einer sehr frühen Periode der Kultur gekom- men, nur daß im Altertum die Systeme nicht ausschliesslich vom Längenmaße aus aufgebaut wurden, sondern ein bereits durch den Gebrauch festgesetztes Gewicht einerseits und die ebenfalls schon üblichen Masse des Raums anderseits einander im Hohlmaße begeg- neten, so daß dann nur noch eine genauere Regelung der durch die Praxis bereits gegebenen Maße stattfand.   Am einfachsten ist, wie es scheint, das System des alten Ägyp- tens gewesen (§ 41, 7). Die Babylonier setzten den fünften Teil des Kubus ihrer Elle als Einheit des Hohlmaßes und teilten sowohl dieses Hohlmaß als das Gewicht des Wassers, welches das Hohlmass füllte, in Sechzigstel; außerdem hatten sie noch mit dem aus Ägyp- ten überkommenen Hohlmaße sich auseinanderzusetzen (§ 42, 8). Die Griechen entlehnten ihre Maße und Gewichte aus Vorderasien, entwickelten sie aber mit eigenem Erfindungsgeiste weiter. Noch in

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  1) Herod. 2, 109, Heron Geom. 106 (p. 138 f. meiner Ausgabe), Strabon 17, 1, 3 p. 787 und andere. Vergl. M. Cantor Vorlesungen über Gesch. der Mathem. I S. 47 f. 52 ff.

  2) F. Chabas Recherches sur les poids, mesures et monnaies des anciens Égyptiens, Extrait des Mémoires présentés etc., Paris 1876, p. 10f.

Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Hultsch: Griechische und römische Metrologie. Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1882, Seite 2. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hultsch_-_Griechische_und_r%C3%B6mische_metrologie,_1882.djvu/24&oldid=- (Version vom 7.1.2025)