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§1,1. RAUMMASSE UND GEWICHTE. 3
nächster Beziehung zu den babylonischen Normen steht das äginäische, oder vielmehr altpeloponnesische System (§ 46, 5–9. 19); einen wei- teren wichtigen Fortschritt stellte die von Solon eingeführte Maß-und Gewichtsordnung dar (§ 46, 10–15). Auf das attische System grün- deten weiter die Römer die Beziehung ihres Hohlmaßes, welches gleich dem Kubus des römischen Fußes war, zu dem Gewichte von 1 attischen Talent oder 80 römischen Pfund (§ 17, 1). Hier zuerst, also auf ita- lischem Boden und in verhältnismässig später Zeit, sind uns auch aus- drücklich die gesetzlichen Formeln überliefert, nach denen Längen- maß, Hohlmaß und Gewicht mit einander geglichen wurden, Formeln, welche wir, der Ähnlichkeit folgend, mit großer Wahrscheinlichkeit zurück auf attisches Maß und Gewicht, und weiter auf die weit älteren Systeme Ägyptens und Vorderasiens übertragen können.
Ebenfalls schon in sehr früher Zeit wurde die Kunst des Wägens angewendet auf Gold und Silber, in Ägypten auch auf Kupfer, um diese Metalle als Wertmesser für andere Gegenstände des Besitzes gelten zu lassen (§ 41, 10. 42, 14). Hieraus entwickelte sich in Babylonien be- reits lange vor der ersten Münzprägung eine feste Währung der Ge- wichte Goldes und Silbers, welche statt des Geldes dienten (§ 42, 11–13). Die Stempelung der auf bestimmtes Gewicht ausgebrachten kleinen Barren Goldes und Silbers übten zuerst, gegen Anfang des siebenten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung, die kleinasiatischen Griechen und wurden damit zu Erfindern des Geldes im eigentlichen Sinne (§ 22, 1. 2).
Mit dem Auftreten der Münze entstand gewissermaßen aus dem Gewichte ein neues selbständiges Maß. Die Münze ist nicht mehr bloß ein genau abgewogenes Stück Wertmetall, sie wird vielmehr das Maß für alle Wertschätzung, weshalb sie auch, je weiter Handel und Ver- kehr sich entwickeln, um so häufiger durch bloße Kreditzeichen ver- treten wird. Freilich ist sie ihrer Natur nach kein ganz unveränder- licher Maßstab, aber doch immerhin der am wenigsten schwankende, der sich herstellen ließ. In diesem Sinne hat die Metrologie auch das Münzwesen der alten Völker zu behandeln. Sie hat vor allem den Münzfuß zu ermitteln, das Normalgewicht und die Feinheit des Metalls festzustellen und dann den Wert der Münze im Verhältnis zu dem heutigen Gelde zu bestimmen. Das Gebiet der Numismatik hat sie nur da annähernd zu berühren, wo das Gepräge der Münzen, sei es der Stil der Bilder oder die Beizeichen und Aufschriften, herbeigezogen werden muß, um Aufschluß über die Zeit der Prägung zu geben.
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Friedrich Hultsch: Griechische und römische Metrologie. Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1882, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Hultsch_-_Griechische_und_r%C3%B6mische_metrologie,_1882.djvu/25&oldid=- (Version vom 7.1.2025)