Seite:Jahresbericht des deutschen Maedchenheims zu Paris 1899-1900.pdf/5

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

immer noch ihr Heil in der Fremde zu finden hoffen, beweist auch die große Menge der Posteingänge, in diesem Jahre 2051 an Zahl.

In der Leitung des Heimes ist im Berichtsjahre ein Wechsel eingetreten. Die Johanniterin, Schwester Anna von Rosen, aus Schleswig, hat demselben seit Frühjahr 1890 vorgestanden; sie äußerte den Wunsch, nun wieder zu ihren alternden Eltern zurückzukehren und hat uns Anfang Mai 1899 verlassen. Mit der ihr eigenen Schaffensfreudigkeit hat sie allezeit die mancherlei Pflichten ihres arbeitsreichen und mühevollen Amtes auf sich genommen. Mehrere tausend Töchter unseres Volkes waren in den 9 Jahren ihrer Obhut anvertraut und sicherlich konnten es alle merken, mit welch unermüdlicher Liebe und erprobter Erfahrung sie für ihre Pfleglinge sorgte. Mit dem vielfach bezeugten Danke derselben bringen zugleich wir hier den bleibenden Dank des Vorstandes zum Ausdruck für die umsichtige Leitung des ganzen Hauses. Möge Gott ihr reichlich lohnen, was sie dem Ganzen und den Einzelnen gewesen ist. – Auf unsere Bitte entschloß sich das Bielefelder Mutterhaus, trotz seines Schwesternmangels, fortan den Posten mit einer Diakonisse zu besetzen, wofür wir demselben zu herzlichem Danke verpflichtet sind. Schwester Adele von Verschuer hat schon früher im Heim ausgeholfen, sie kam deshalb in keine ganz fremden Verhältnisse und hat sich rasch völlig in ihre Arbeit eingelebt. Der Vorstand hat allen Anlaß ihr, wie auch ihrer treuen Gehülfin, Fräulein Vaupel, für ihr erfolgreiches Wirken aufrichtige Anerkennung und besten Dank zu zollen.

Aus Anlaß dieses Wechsels unserer Vorsteherin haben wir eine Revision unserer Grundsätze für deren Arbeit und unserer Hausordnung vorgenommen. Der leitende Gesichtspunkt dabei war, die Wohlthaten des Heimes den Neuankommenden und Stellensuchenden mehr zu sichern, arbeitsscheue und zweifelhafte Elemente aber möglichst auszuschließen. Wir dürfen es wohl schon zum Teil den neuen Ordnungen zuschreiben, daß, obgleich fast gleichviel Mädchen im Heim wohnten, die Zahl der Herbergsnächte gegen das Vorjahr um mehr denn 600 sich verringert