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mit festen Schritten Besitz. Schon seine beiden ersten in Düsseldorf gemalten Bilder „Schulprüfung“ und „In der Dorfkirche“ (nach Amerika verkauft) fanden den allgemeinen Beifall des Publikums, und das erstere wurde von Mohn in Kupfer gestochen, nachdem es bereits, mittels Holzschnitt reproduciert, im Daheim erschienen war. Mit dem dritten Gemälde „Die Todesbotschaft“, welches nach England ging und dann für die Galerie zu Wiesbaden wiederholt wurde (Holzschnitt in der Gartenlaube), errang er dann auch die volle Anerkennung seiner Fachgenossen in bezug auf das eigentlich malerische Können. Zu diesem Bilde – ein Landwehrmann bringt einer jungen Bäuerin die Nachricht vom Tode ihres Mannes und übergibt ihr dessen Uhr und Brieftasche – war der Künstler durch den großen Krieg angeregt worden. Er widmete demselben im Jahre 1872 noch ein zweites, bald durch den Stich vervielfältigtes Bild „Der Reconvalescent“ – ein Werk von großer Wahrheit des Ausdruckes und freundlich-sympathischer Gesamtstimmung. Die Achtung und liebevolle Teilnahme, mit welcher der junge, für das Vaterland verwundete Krieger in die Kirche geleitet und dort empfangen und betrachtet wird, ist höchst wohlthuend. Die Studien zu diesem Bilde machte Oehmichen in der Afrakirche zu Meißen.
Inzwischen hatte sich der Künstler im Jahre 1871 mit seiner Cousine Emma Dietrich aus Böhlitz bei Mutzschen in Sachsen verheiratet, und wie ihm aus dieser Ehe ein reiches Glück erwuchs, so wurde sie ihm auch die unversiegliche Quelle künstlerischer Anregungen. Wir führen die von ihm behandelten Stoffe aus dem häuslichen Leben und der Kinderschulwelt hier gleich in einer Folge auf. Aus dem Jahre 1875: „Der erste Schritt“ (N. J. Kocks zu Mühlheim a. d. Ruhr), „Der erste Zahn“; 1876: „Martinsabend in Düsseldorf“ (Rheinischer Kunstverein in Düsseldorf); 1877: „In der Nähstunde“ (derselbe Verein) und „Die kleinen Künstler“ (W. Tidemann zu Obitzkau bei Gollub); 1878: „Bei der kranken Schulfreundin“ (in Antwerpen, gestochen von Mohn); 1879: „In der Strickschule“ (Ferd. Saarburg in Neuß), „Kindergarten“ (in Amerika); 1880: „Kinder im Schnee“ (in England), „Auf dem Schulwege“ (Dombaulotterie); 1881: „Kinder, Spatzen fütternd“ (in Düsseldorf), „Nach der Christbescherung“ (in England), „Gute Nacht“ (Dombaulotterie); 1883: „Religionsunterricht“ (auf der Dresdner akademischen Kunstausstellung). Außerdem einige Bilder, deren Entstehungszeit wir nicht bestimmt angeben können, als „Stille Betrachtungen“, „Eingeschlafen“, „Gratulanten“, „Schularrest“, „Schulstrafe“, „Schreibstunde“, „Vor dem Schulwege“ (Butterbrotstreichen),
Wilhelm Loose: Lebensläufe Meißner Künstler. C. E. Klinkicht & Sohn, Meißen 1888, Seite 74. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Lebensl%C3%A4ufe_Meissner_K%C3%BCnstler.pdf/80&oldid=- (Version vom 13.12.2024)