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CCCCXXXXII. Der Salzberg bei Hallstadt.




Die nördlichen Kalkalpen, welche den Zug des Urgebirges begleiten, bilden eine 300 Stunden lange Kette. Der Hauptmasse nach bestehen sie aus einem ältern Kalkstein, welcher mehre untergeordnete Lager führt. Zu letztern gehört auch das Steinsalz. In den Alpen kommt es jedoch nie in großen, compakten, ausgedehnten Massen vor, sondern meistens in Körnern, in größern und kleinern Stücken, auch sehr selten weiß, sondern gewöhnlich röthlich gefärbt und gemengt mit Thon und Gyps. Da, wo die Gebirgsmassen das Salz so reichlich enthalten, daß es bergmännisch gewonnen werden kann, heißen sie Salzberge: – so bei Hall in Tyrol, Berchtesgaden im Bayerschen, bei Ischl, bei Aussen und bei Hallstadt im Salzkammergute.

Weil das Steinsalz der Kalkalpen niemals reine, derbe Stöcke bildet, sondern mit andern Gebirgsmassen vermischt ist, so würde es sich nicht der Mühe lohnen, die einzelnen Salzbrocken herauszusuchen; es würde unbenutzt bleiben müssen, wenn man nicht der Natur ihr Verfahren, Soole zu bereiten, abgelauscht hätte und solches nachahmte. Schon die Römer kannten diese Benutzungsweise des Steinsalzes der Alpen und deutliche Spuren beweisen, daß vor ihnen auch der Hallstadter Salzberg bearbeitet wurde.

Derselbe erhebt sich fast senkrecht über das kleine Städtchen Hall 4000 Fuß hoch. Mit Mühe ersteigt man auf 2500 Stufen, ohne die aller Zugang unmöglich wäre, den sogenannten Rudolfsthurm, wo der Bergmeister wohnt und von wo man die ganze Steinsalzablagerung übersehen kann. Zwischen den kahlen Klippen des Kreuz- und des Kalenberges öffnet sich ein anderthalb Stunden weit zwischen den Bergen fortziehendes tiefes Thal, das ganz mit einem auflösbaren Gemenge von Salz und Thon ausgefüllt ist. Diese Masse, welche der eigentliche Salzberg heißt, ist durch mehre übereinander liegende Stollen, oder horizontale Gänge, aufgeschlossen. Das zwischen je zweien solcher Stollen, einem oberen und einem unteren, liegende Gebirgsstück heißt ein Grubenfeld, und dies auszulaugen, nämlich die Salze desselben mit Wasser aufzulösen und als Soole zum Abdampfen zu gewinnen, ist der Zweck des hiesigen Bergbaues. Jeder obere Stollen führt das süße Wasser (Quell- und Regenwasser) in das Innere des Berges in ausgehauene große Weitungen, welche sich allmählig durch Auflösung des