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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band | |
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„Adieu les canards, les canaux, les canailles!“ – so verabschiedete boshaft und ungerecht Voltaire die Holländer und ihr Land. Und doch ist es schön und es sieht in der That einem Garten gleich, zumal, wenn man die Straße von Arnheim nach Rotterdam fährt. Man wird zwar weder Felsen noch Berge gewahr werden, denn die ganze Landschaft ist eben, wie ein Tisch; nichts desto weniger ist eine unglaubliche Bewegung in der Landschaft, und die Mannichfaltigkeit der Gegenstände hält die Aufmerksamkeit fortwährend beschäftigt. Städte, Dörfer, Schlösser mit ihren reichen Umgebungen, Villen von jeder Bauart mit Blumengärten der verschiedensten Formen, die fetten Weiden, die sich ausdehnen wie die Savannen Amerika’s und bevölkert sind mit tausenden von Rindern; die Seen, blos durch den Torfstich entstanden, mit ihren Inseln, wo die Wasservögel in unzähligen Schaaren das baumlange Schilf beleben; das fortwährende Erscheinen von Städten und Thürmen am fernen Horizont läßt keinem Gefühl von Langeweile und Einförmigkeit Raum. Die Nähe des reichen Rotterdams selbst verräth sich zuerst durch die Größe und Menge der Landhäuser und die Ausdehnung der Gartenanlagen. Schon eine Viertelstunde von der Stadt rücken die Landsitze zu beiden Seiten der Straße in 2 Reihen an einander, mit fortlaufenden Blumenparterres vor denselben, welche durch Kanäle von der Chaussee getrennt sind. Zu jedem derselben führt eine Zugbrücke. Unzählige Windmühlen ragen von den Dämmen, welche das Land vor den Fluthen der Maas schützen, und der barockeste Geschmack hat sich erschöpft, ihre Formen und ihre Verzierungen zu vermannichfaltigen. Manche gleichen chinesischen Glockenthürmen, andere sind wieder mit Schnitzereien im sonderbarsten Style überdeckt. Sie sind alle sehr hoch, und ihre ungeheuern Flügel mit rastloser Bewegung vergrößern die Lebensfülle des Bildes. Dazwischen ragen die Masten des Hafens, ziehen die grauen Segel auf den Kanälen, schauen die großen, mit Glas bedeckten Gebäude der Docks und Werfte hervor, unter denen die Arbeiter zu Hunderten sich mit dem Neubau oder der Ausbesserung von Schiffen und Fahrzeugen aller Größen beschäftigen. Dieses, das geschäftige Gewühl und die Eile der Kommenden und Gehenden, und viele andere Zeichen lassen die große See- und Handelsstadt schon von weitem erkennen.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1843, Seite 123. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_10._Band_1843.djvu/133&oldid=- (Version vom 15.12.2025)