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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band | |
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Rotterdam hat die Gestalt eines Dreiecks, dessen breiteste Seite sich an die Maas lehnt. Ein hoher Damm scheidet die Binnenstadt (Altstadt) von der äußern, oder dem neuern Stadttheil, der ungleich schöner als jene ist, und wo der colossale Reichthum der Rotterdamer Handelsherren sich auch wohl in Palästen zur Schau legt. Neben solchen sind gewöhnlich die Ankerplätze für die Schiffe der Eigenthümer, und stolz flaggen um manchen Balkon ein Dutzend Wimpel. Die Kayen sind mit Rüstern und Linden bepflanzt und dienen den Städtern zur Promenade. Die schönsten sind auf dem Boomjes, einer Kay an der Maas, das Nieuwe Werk und die Plantandje.
Die Sehenswürdigkeiten der Stadt beschränken sich zumeist auf Anstalten zur Förderung des Handels: z. B. Admiralitätsgebäude, Arsenal, Börse, die Gebäude der niederländischen Compagnie. Den großen Erasmus ehrte seine Vaterstadt mit einer Statue. Sie steht auf der Mitte einer Brücke über den Hauptkanal; aber sein Geburtshaus in der „breede Karl-Straat“ ist jetzt eine Branntweinschenke. – In der Lorenzkirche sieht man Grabmäler vieler Seehelden aus der großen Zeit der Republik.
Rotterdam ist die blühendste Handelsstadt Hollands und die einzige, welche durch die Trennung von Belgien neue Elemente ihres Gedeihens gewonnen hat. Sie ist fortwährend im Wachsen und hat gegenwärtig über 7000 Häuser und an 90,000 Bewohner. Der Handel selbst steht an Größe dem von Amsterdam schon gleich. Rotterdam ist nicht nur fortwährend der Hauptmarkt für die süd-holländischen Produkte und die auf dem Rhein ausländischen Absatz suchenden Waaren Deutschlands: – für Getreide, Krapp, Holz, Kleesaat, Käse, Genever; sondern auch ein Hauptstapelplatz für die Erzeugnisse der Ostseeländer und die der Colonien. Als Kaffeemarkt rangirt es gegenwärtig in der vordersten Reihe. Die Einfuhr dieses Artikels hat in den letzten Jahren jährlich über 60 Millionen Pfund betragen. Dem Waarenhandel und der Rhederei dienen hier sehr große Kapitale; in Wechsel-, Assekuranz- und Fondsgeschäften hingegen behält Amsterdam das Uebergewicht. Rotterdam ist auch der Sitz der niederländischen Dampsschifffahrtsgesellschaft, welche eine große Anzahl Schiffe auf dem Rhein, nach den englischen Häfen, Antwerpen, Havre etc. etc. unterhält und ihre Geschäfte jetzt bis nach Ostindien ausdehnt. – Unter den hiesigen Gewerben spielen Zuckersiederei, Kattundruckerei, Tabak- und Bleiweißfabrikation und die Bereitung chemischer Produkte hervorragende Rollen. – Eine Eisenbahnverbindung besitzt Rotterdam nicht; die vielfachen und wohlfeilen Wasserkommunikationen machen sie auch weniger zum Bedürfniß.
Die hiesige Lebensart nähert sich der englischen Sitte. Man steht spät auf, ißt um 4 Uhr, trinkt des Abends Thee. Für den Fremden, der etwas Anderes als Geschäfte sucht, bietet die große Stadt wenig Abwechselung; sie hat nicht einmal ein stehendes Theater. Die Familien schließen sich, nach altholländischer Weise, gegen
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1843, Seite 124. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_10._Band_1843.djvu/134&oldid=- (Version vom 15.12.2025)