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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band | |
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Hart am Thore, das sich der Elbstrom durch den Gebirgsgürtel Böhmens gebrochen, im Mittelpunkte der sächsischen Schweiz, liegt, dicht an der Elbe, anmuthig und heiter, das kleine Städtchen Schandau. Im Sommer ist’s für die Schaaren von Fremden, welche herkommen, um die Wunder der Gegend zu schauen, ein Hauptsammelplatz, und darum voller Leben und Treiben; im Winter hingegen, wo überdies die Gewerbe der Schiffer und Flößer stocken, wird’s um so stiller; Weberei, Spinnerei und Steinbrechen bleiben dann die Nahrungsquellen, bis das Frühjahr zurückkehrt und reichlichere von neuem fließen. Auch ein Bad ist in Schandau; besucht aber wird es wenig, und lockte nicht die schöne Gegend manchen Kurgast her, so wäre es wohl schon längst verödet. Die weit heilkräftigern nahen Bäder Böhmens lassen Schandau, als Kurort, nie aufkommen.
Dagegen vereinigt die Umgebung des Städtchens Alles, was geeignet ist, auf Jeden, der Sinn für die Reize großartiger Naturscenen hat, unauslöschliche Eindrücke zu machen. Schon die nächsten Promenaden bieten des Schönen viel. Auf der Karlsruhe, nahe am Bade, entzückt die Aussicht auf den Strom, der mit weitgespanntem Bogen die Felsmauer umrauscht, und auf die Hochpunkte der Landschaft, auf den Bären-, Lilien- und Königstein, und in Thalgründe und Schluchten. – Ein zweiter, etwas weiterer Spaziergang führt durch das Kirnitschthal nach der Ostrauscheibe, einem Plateau mit reizender Aussicht. Da prangt im Vorgrunde der Zahngrund mit seinen hohen Tannen und Fichten, überragt von den schauerlichen Felsmauern der Schrammsteine, und im Hintergrunde hebt sich der Winterberg; seitwärts aber, grotesk und ernst, der waldgegürtete Rosenberg. Eine dritte, noch genußreichere Wanderung von Schandau ist die nach dem sogenannten Kuhstall. Dahin führt der Weg den Kirnitschgrund hinauf, an dessen Spitze rauschender Hochwald den Wanderer empfängt. Lange in denselben fort windet sich der enge Pfad, bis sich plötzlich eine prächtige Felsmasse zeigt, an deren senkrechten Wänden altersgraue Fichten hinanstreben. An dieser vorbei führt der Weg steil zum Rücken des Bergs. Hier überrascht das erste Ziel: – ein weiter Triumphbogen, aufgerichtet von der Hand des großen Baumeisters selbst, der diese Gegend geschmückt hat. Gefesselt hängt der Blick an der wunderbaren Felsgestalt; er sieht betroffen durch die weite Halle, über einen tiefen Abgrund hinweg, auf die Wälder stundenferner Gebirge. Der colossale Rahmen, das eingeschlossene Landschaftsbild, die dunkle Halle und die lichte Durchsicht,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1843, Seite 139. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_10._Band_1843.djvu/149&oldid=- (Version vom 17.12.2025)