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ganz Sicilien wie eine Stadt von ihrem Thurme; die liparischen Inseln heben sich aus der klaren Fluth so deutlich, als ob man sie mit den Händen greifen könnte. Wie eine silberne Schlange windet sich die Meerenge von Reggio zwischen die Länder, die sie scheidet; jenseits breitet sich Kalabrien aus, und über dessen 6000 Fuß hohe Berge hin schweift der Blick in’s ionische Meer und sucht und findet die blauen Höhen Attika’s. Der Golf von Neapel wird durch die Rauchsäule des Vesuvs bemerklich, der von dieser Höhe winzig und unbedeutend sich ausnimmt. Im äußersten Nord erkennt man die Spitzen der sardinischen Gebirge und in entgegengesetzter Richtung macht das bewaffnete Auge bei hellem Horizonte Entdeckungen an der Küste Afrika’s.

Wie die großen Thaten großer Menschen durch längere Zeiträume getrennt sind, während die Thätigkeitsäußerungen der kleinen sich oft rastlos an einander reihen, – so ist auch ein Ausbruch des Aetna ein viel seltneres Ereigniß, als der seines so häufig feuerspeienden Nachbars. Selten vergeht ein Jahr, ohne daß der Vesuv seine Umwohner ergötzt oder schreckt; der Ausbrüche des Aetna hingegen sind nur wenige in einem Jahrhundert. Ist er ruhig, so sieht man blos lichte, weiße Rauchsäulen von seinem Gipfel aufsteigen; treten aber die Vorzeichen seines Kreißens ein, dann wird der Rauch dunkler, es fahren des Nachts einzelne Blitze heraus, und dieser Zustand dauert oft mehre Wochen, während welcher Zeit die Rauchsäule immer tiefer sich schwärzt, immer furchtbarere Blitze aussendet. Es steigen dann in ihrer Mitte einzelne Flammen auf, die allmählich zu einer beständigen Flammensäule sich vergrößern. Unterirdisches Brausen und Dröhnen wird sodann hörbar; der Donner rollt im Bergleib, die Erdveste geräth in zitternde Bewegung. Erdbeben spalten die Seiten des Berges, und Schwefeldämpfe entquellen den Rissen. Es baut die unterirdische Feuersgewalt sich neue Essen auf, da und dort an den Seiten des Vulkans; die Spitzen der neuentstandenen Kegel öffnen sich; inmitten der Flammen werden Felsstücke emporgeschleudert, glühende Asche verfinstert die Sonne und fällt als ein feuriger Regen auf die Erde nieder. Zwei, ja zuweilen drei und vier Monate nach den ersten Symptomen eines Aetna-Ausbruchs erhebt sich endlich der flüssige Erdbrei bis zu der Mündung der Krater und strömt dann, ein alles verwüstender Feuerstrom, aus der Spitze der Kegel, oder aus den Seiten-Spalten derselben, mit anfangs furchtbarer Schnelligkeit an den Bergwänden hinab. Oft gesellen sich Ströme siedenden Wassers dazu, die, wenn sie die Lava berühren, mit furchtbarem Krachen detoniren, meilenweit hörbar. Die Lavaströme des Aetna erlangen eine Breite von mehren Miglien, und ihr Lauf währt Monate, bis sie endlich an ihrer Spitze erstarren. In der Strömungszeit hört das Flammen der Krater, hören die Aschen- und Steinregen und die Erdbeben nicht auf. Der Tag wird dann oft zur Nacht, die Nacht zum Tage. Städte werden verschüttet, Thäler ausgefüllt, Wälder gehen in Flammen auf, und wo der menschliche Fleiß in vielen Jahrhunderten ein Eden schuf, werden Wüsteneien. – Doch kaum sind einige Jahrzehnte verstrichen, so keimt auf den ehemaligen