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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band | |
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eben so leicht in Bewegung, wie eine Feuersbrunst oder eine Hinrichtung, eine Illumination, oder die feierliche Auffahrt des Königs. Die mit jeder Volksbewegung in Paris in Verbindung stehenden Vorsichtsmaßregeln der bewaffneten Macht und Polizei sind von einem solchen Leichenzuge unzertrennlich. Soldaten werden auf den Boulevards aufgestellt, Posten der Munizipalgarde und der Polizei sammeln sich an den Straßenecken und Plätzen, an welchen der Trauerzug vorüber gehen soll. Die Durchgänge werden geschlossen: wer passiren will, wird zurückgewiesen; ja man kann hundert Schritte von seinem Hause seyn: man passirt nicht! – Das Volk sammelt sich, es drängt aus den umliegenden Straßen herbei, und die Boulevards werden dicht mit Menschen gefüllt. Alt und Jung, Männer und Weiber, Alles kömmt, fragt, bleibt stehen, um zu hören und zu sehen. Man lärmt und schreit. Ueberall ist Tumult, da Streit um die besten Plätze, dort unbändiges Lachen. „Was gibt’s?“ ruft jeder Neuankommende. „Ein General wird begraben: un grand homme!“ Der Tag kann nichts Unterhaltenderes, Belustigenderes bringen, als solch ein Begräbniß. Die Stunde naht, wo der Zug vorüber ziehen soll. Die Fenster in den Straßen füllen sich; bis zum fünften, sechsten, siebenten Stock reihen sich Kopf an Kopf, Hut an Hut, Schleife an Schleife: selbst an den Schornsteinen wird’s lebendig, wimmelt schaulustiges Volk. Nirgends in der unabsehbaren Menge ist ein Zeichen der Trauer; Kleider und Bänder von allen Farben: weiß, grün, blau, rosa, wie es die Mode bringt; alle Gesichter mit lachenden Mienen; überall Schäkern, überall laute Fröhlichkeit. Man unterhält, man amüsirt sich, – voila tout!
Polizeisoldaten ordnen die Menge zum Spalier, ein wandelndes Bahrtuch blinkt von fern her über die Köpfe der Menge. – Es ist ein Leichenwagen, der naht; ein Wagen, mit weißen Tüchern behangen, mit weißen Pferden bespannt; eine Myrthenkrone liegt auf dem weißbekleideten Sarge, – Blumenkränze sind an den Seiten befestigt. Eine Reihe verschleierter Mädchen in weißen Gewändern folgt dem einfachen Zuge. Man bringt die Hoffnung einer Mutter, ein junges Mädchen, zur Gruft. – C’est le heros en jupon! spottet einer aus der Menge, und schallendes Gelächter rollt durch die dichtgedrängten Massen.
Eine Pause folgt – Ungeduld und getäuschte Erwartung bewegen die Massen. Viele verlassen ihren Standpunkt und eilen weg. Da werden die Polizeisoldaten von neuem lebendig – „er kömmt! er kömmt!“ tönt’s, und wie von einem Zauberstab berührt, steht die Menge und harrt.
Diesmal ist’s der rechte Leichenzug, der daher kommt. Eine Gensd’armeriecolonne eröffnet ihn, ihr folgen Linientruppen mit gesenkten, florumhüllten Gewehren. Dann einige Offiziere mit schwarzen Degen. Hierauf der sechsspännige, schwarzbehängte, hochgerüstete Triumphwagen des Todes, auf dem sich Luxus und Pomp in Trauerinsignien zur Schau stellen. Auf der Vorderseite des Wagens ist eine Trophäe aufgerichtet; vier
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1843, Seite 182. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_10._Band_1843.djvu/192&oldid=- (Version vom 19.12.2025)