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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band | |
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Matrosen, ein großes Hospiz für mittellose Fremde, ein Findelhaus, Waisenhaus, ein Versorgungsinstitut für hülflose Mädchen, Freischulen für die Jugend der Armen. Ein Nachtasyl für das obdachlose Elend wirkt sehr wohlthätig und steuert dem Verbrechen entgegen, dem sich die verzweiflungsvolle Noth so leicht in die Arme wirft. Ueber der Pforte dieser schönen Anstalt ächter Wohlthätigkeit stehen die Worte des Heilands:
Jährlich nimmt dies Asyl über 10,000 Unglückliche auf, die nicht so viel auf der Erde besitzen, um ihrem Haupte eine Schlafstelle zu geben. Der Mann aber, der diese Anstalt aus Privatmitteln in’s Leben rief, (Egerton Smith hieß er,) war keine Geistesgröße, die Staaten aufbaut, oder einstürzt, oder in der Wissenschaft neue Welten findet; Keiner, dem zu Ehren sich Säulen erheben und mit Statuen von Erz die Märkte schmücken; Egerton war ein schlichter Kaufmann, an Geld reich; doch reicher noch an jenem humanen Sinn, welcher den mühsam errungenen Erwerb einem erhabenen Zwecke weiht, der nicht eignes Wohl, sondern das Beste der Menschheit, die Linderung der Leiden armer Brüder ist. Wie ganz anders sähe es aus auf unserer unter der Last des Jammers stöhnenden Erde, wenn unter der Herrschaar der Millionärs es viele Egerton Smith gäbe! Wie selten aber sind sie!– Unter zehntausend ist kaum ein einziger. Die übrigen sind herzlose Mammonshüter, nicht Herren, sondern Sklaven der erworbenen Schätze, oder – der Reichthum gilt ihnen blos als ein Mittel zur Befriedigung ihres Stolzes, ihrer Gelüste und der Sucht nach Vergnügen.
Sprecht mir nicht von der Liberalität des heutigen Reichthums. Wo sind die großen Ideen für Menschenwohl ausgegangen aus dem Conclave der Geldfürsten, oder wo haben sie sie unterstützt nach dem Maßstabe ihres Vermögens? Wenn sie zu ihnen betteln kommen, dann geben sie wohl ein Almosen; aber dafür weiß ich ihnen keinen Dank. Sich selbst und ihren Mammon setzen sie überall als Götzen auf die Altäre, und wenn sie ja einmal den Mantel der Freigebigkeit, des gemeinnützigen Strebens umlegen, so ist’s in hundert Fällen neun und neunzig Mal das trügerische Spiel der verschlagenen Selbstsucht, des gewandten Eigennutzes, der den persönlichen Vortheil unter der Kappe des allgemeinen Besten versteckt und dieses immer unbedenklich opfern wird, wo beide in Widerstreit gerathen. Nein! die Regel des heutigen Reichthums ist keine, die Achtung gebietet. Je weniger sie aber befriedigen kann, um so größere Huldigung verdienen die seltenen Ausnahmen, durch welche die Reichthümer die Richtung und Anwendung erhalten, welche allein edel und des höhern Menschen würdig ist. Diese Ausnahmen gehören zu den Größten und Besten unsers Geschlechts, und ohne sie verlöre die Menschheit ihre schönsten Zierden.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1843, Seite 224. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_10._Band_1843.djvu/234&oldid=- (Version vom 7.1.2026)