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Furcht vor der Verzweiflung und um der Ängstlichkeit der Reichen willen. Wer den Kopf schütteln möchte, der denke nur erst nach; ich werde Recht behalten.


Sämmtliche Pariser Hospitäler stehen gegenwärtig unter einer Centralverwaltung, haben Apotheke, Bäckerei und Keller gemeinschaftlich, und ein eigenes anatomisches Theater. Sie verpflegen jährlich über 100,000 Kranke mit 15 Millionen Franken Kosten. Ihre großen Einkünfte beziehen sie aus den Stiftungsfonds, weit mehr aber noch aus Antheilen an den städtischen Abgaben und dem zehnten Theil der Einnahmen aller Theater der Hauptstadt.

Mit dem Hotel Dieu wetteifert die Salpetrière an Größe und Zweckmäßigkeit der Einrichtung. Die Anstalt hat, auf dem Boulevard de l’Hospital, in der Nähe des botanischen Gartens, eine sehr gesunde Lage. Ihre Gebäude mit ihren Höfen und Gärten nehmen einen Raum von 16 Morgen ein. Sie bildet gleichsam eine Stadt für sich mit Straßen und freien Plätzen, Kirche, Friedhof und einer Bevölkerung von 6000 weiblichen Wesen. Armen- und Irrenanstalt zugleich, ist sie ein Asyl für Frauen, welche Alter und Krankheit gebrochen haben, und die letzte irdische Wohnung für die Unglücklichen, welche kein Band mehr mit der übrigen Welt zusammenknüpft, – für jene Aermsten unter Allen, denen

„Ein Gott, der Alles gibt und Alles nehmen darf,
„Die Mitgift nahm, die sie zum Menschen adelt.“

Die alten Frauen haben 2000 Zellen und mehre gemeinschaftliche Speise- und Unterhaltungssäle, auch einen Krankensaal mit 500 Betten. Viele beschäftigen sich mit leichten weiblichen Arbeiten, mit Spinnen und Spitzenklöppeln, deren Ertrag in die Kasse für gemeinschaftliche Rekreation fließt. Die hintersten Reihen der Gebäude bewohnen die Irren. 1500 Frauen und Mädchen jeden Alters zeigen hier die unerklärlichen Proteusverwandlungen des menschlichen Geistes in jeglicher Mannichfaltigkeit.

Wenn du je in einem Tollhause warst, war es dir nicht auch, als trätest du in ein Allerheiligstes? Rieselten dir nicht Schauer durch Mark und Gebein, als du die Nachtgestalten, als du in die Gesichter schautest, aus deren Augen und deren Zügen andere Zustände zu dir sprachen, als die gewöhnlichen der Menschen? War es nicht mehr Ehrfurcht, als Mitleid, was dich anwandelte, und schien es dir nicht erklärlich, daß die Welt so manche Wahnsinnige als Heilige verehrt hat? Unsere nüchterne Gegenwart ist freilich sicher davor, daß die Irrenhäuser Kanonisationsbullen bekommen, obschon so mancher tüchtige Canditat des Bedlam noch immer dann und wann, wäre es auch nur als Philosoph oder Meinungsapostel, der Welt eine Nase dreht.