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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band | |
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dann zu zuckenden Sternbildern, die bald zusammenschießen, bald sich verfolgen, und ein wunderbares Leben offenbart sich in dem Kampfe der funkelnden, regen Gestalten. Dazu tritt die Abgeschiedenheit und Stille ringsumher; nichts ist laut, nichts lebendig und regsam, als das ewig donnernde Element, das die furchtsame, zitternde Erde in den Schlummer wiegt. Mancher weilt wohl, bis die Sternbilder am Himmel hervortreten, oder der Mond heraufsteigt, und mit seinem Zauberlicht der Szene neue Reize verleiht.
Paris ist das aufgeschlagene Buch der neuern Geschichte. Man liest es, indem man durch seine Straßen wandelt, und der Name jedes Platzes, jedes Markts, jeder Brücke, jedes Palastes wird zur Ueberschrift eines inhaltschweren Kapitels. Wie in Paris das Leben selbst keinem ruhigen Strome, oder stillen See, gleicht, sondern einem Wasserfalle, der mit betäubendem Geräusch von Stufe zu Stufe stürzt: – so verliert auch der Strom der Geschichte, sobald er die Ringmauern von Paris berührt, die ruhige Bewegung, er thürmt und kräuselt seine Wogen und bildet bald Strudel, bald Katarakte.
Am wildesten tosen sie im Centrum der ungeheuern Stadt, welches die Tuilerien, das Louvre, das Rathhaus, das Palais Royal, den Justizpalast und die Kaien von dem Pontneuf bis zum Palast des gesetzgebenden Körpers begreift. Es umfaßt zugleich den ältesten Theil von Paris: die Cité, wo schon Julius Cäsar Geschichte machte. Sie ist sehr unregelmäßig gebaut, häßlich, schmutzig; voll enger, dunkler Gassen und schmaler Durchgänge. Die Bevölkerung ist unglaublich dicht; auf allen Straßen drängen sich die Wagen und Menschen; denn hier, im Mittelpunkt der Stadt, kreuzen sich und berühren sich die Verbindungen aller Quartiere.
Alle Centralanstalten des Reichs sind um den Mittelpunkt von Paris versammelt: Hof, Kammern, Börse, Bank, Academie, Ministerien, Gerichtshöfe, Münze; die großen Hospitäler und die Verwaltung der
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1843, Seite 18. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_10._Band_1843.djvu/28&oldid=- (Version vom 27.11.2025)