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Die Stephanskirche hat im Grundriß die Gestalt eines lateinischen Kreuzes. Fünf Pforten führen in das Innere: das sogenannte Riesenthor, das nur selten, bei großen Ereignissen und besondern feierlichen Anlässen, geöffnet wird; das Primglöckleinthor unter dem ausgebauten, das Adlerthor unter dem unausgebauten Thurme, jedes mit einer prächtigen Vorhalle; zwischen beiden, von der Längenseite bis zur Stirnseite, sind zwei andere Eingänge. Die beiden Thürme sollten gleich hoch werden; doch der eine nur ist ausgebaut; der andere wurde bis zu ein Drittel seiner Höhe gebracht und dann mit einem haubenförmigen Dache eingedeckt. Das Kirchendach prangt, wie der Rücken eines geschuppten Drachen, mit glasirten, bunten Ziegeln, welche einen Adler mit ausgebreiteten Flügeln vorstellen. Es ist das größte Thierbild, das wohl je auf ähnliche Weise ausgeführt wurde; denn es mißt von einer Flügelspitze zur andern 188 Fuß.

Der erste Herzog von Oesterreich, Heinrich Casemirgott, hat 1144 an der Stelle einer alten Kapelle den Grundstein zum Dome gelegt. Erster Werkmeister war Octavian Wolzner aus Krakau. Ein Bischof von Passau machte den Plan. Von diesem ersten Bau sind noch das Riesenthor und die beiden kleinern Thürme vorhanden. Als Sankt Stephan 1258 und 1275 durch Feuersbrünste gelitten hatte, wurde der Plan zum Umbau des Tempels in seiner jetzigen Gestalt entworfen und bis 1511 mit mehren Unterbrechungen fortgeführt, wo man den Bau des zweiten Hauptthurms gänzlich aufgab. Pilgram aus Brünn war der erste Baumeister des Riesenwerks, und unter dem kunstreichen Hans Buchsbaum wurde das Hauptgewölbe des hohen Chors 1446 geschlossen. Anton Pilgram, Enkel des ersten Baumeisters, der zu dem großen Thurme 83 Jahre früher 80 Fuß tief unter der Erde den Grund gelegt hat, setzte 1433 den Adler auf dessen Spitze. 1449 schlug der Blitz in den Thurm und entzündete das Holzwerk; 1514 traf ihn abermals der Blitz; große Reparaturen wurden nöthig, deren Wiederherstellung 5 Jahre erforderte. Spätere Bauten betreffen blos das Innere und nicht sowohl seine Verzierung, als Verunstaltung. – Eitelkeit, Prunksucht und Kunstverwilderung haben Sankt Stephan mit geschmacklosen Altären und Grabmonumenten ohne Zahl angefüllt. Von den 31 Fenstern, die sämmtlich ehemals mit den schönsten Glasmalereien angefüllt waren, sind jetzt noch in dreien die Gemälde erhalten. Die übrigen haben die Geschosse des Kriegs bei den vielen Belagerungen, welche Wien auszustehen hatte, zertrümmert.

Das räumliche Größen-Verhältniß von Sankt Stephan zur Peterskirche in Rom ist wie 1 zu 4. Seine äußere Länge mißt 321 Fuß; das Innere ist in 3 Schiffe getheilt, welche durch 18 freistehende 8 Fuß dicke und 86 Fuß hohe Säulen getragen werden. Der Thurm hat vom Straßenpflaster bis zur Spitze eine Höhe von 421 Fuß; von dem Grundstein an aber mißt er bei 500 Fuß und er steht also der großen Pyramide von Gizeh