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an Höhe nur wenig nach, gehört überhaupt unter die 10 höchsten Gebäude der Erde. In den Türkenbelagerungen war der Thurm die gewöhnliche Zielscheibe des schweren Geschützes; er hat aber demselben jederzeit wie eine Felsmasse widerstanden. Nur die schwächere Spitze litt bei der letzten furchtbaren Belagerung Kara-Mustapha’s so sehr, daß sie sich neigte und vor einigen Jahren deshalb abgenommen und erneuert werden mußte.

Unter den unzähligen Werken kunstverdorbener Zeiten, von welchen Sankt Stephan voll ist, ragt Einzelnes hervor, welches die Bewunderung aller Zeiten verdient und erhalten wird. Zuerst die Kanzel. 28 Fuß hoch erhebt sie sich mitten im Hauptschiff der Kirche als eins der herrlichsten Denkmäler deutscher Steinbildnerei. Wenn man die Zierlichkeit und Beweglichkeit der Formen an dieser ungeheuern Steinmasse aufmerksam betrachtet, kann man sich des Gedankens nicht erwehren, daß die alten Meister die Kunst verstanden haben müssen, den Stein zu gießen, oder im erweichten Zustande zu modelliren: denn daß der Meißel so etwas hervorbringen könne, übersteigt den heutigen Begriff von der Technik der Kunst. Und doch war’s der Meißel allein, der das Wunderwerk gefertigt hat. Der Meister, (Hans Buchsbaum), hat sein Bildniß mitten unter Aposteln und Kirchenfürsten recht naiv und sinnig angebracht: eine ernste Gestalt ist es, mit Winkelmaß und Zirkel. Das Dach der Kuppel ist kunstvoll aus Holz geschnitzt, mit unzähligen Figuren; eben so das Treppengeländer. Garstiges und unfreundliches Ungeziefer: – Frösche, Eidechsen, Schnecken, Schlangen, – kriecht und windet sich hinan, alles so naturgetreu, als ob es lebte. Diese Schnitzarbeiten und jene eben so kunstvollen an den Chorstühlen, sind wahrscheinlich von der Hand Jörg Sürlins, der 1469 die schönen Chorstühle in Ulm verzierte. In gleichem Kunstwerthe steht das Grabmal Kaiser Friedrichs IV., von Niklas Lercher in Straßburg 1513 vollendet. Der Meister hatte zwanzig Jahre daran gearbeitet. Es befindet sich vor dem Altare im Passionschore.

Nach dieser kurzen Umschau im Innern des Tempels besteigen wir den Thurm.

Nicht weniger als siebenhundert Stufen führen von dem untersten Eingange bis zur Region, in der die Thurmwächter ihre Wohnung haben. Doch ehe wir in deren Hände überliefert werden, haben wir eine Menge andere zu passiren, und erst an der Spitze selbst, die man nur auf schwankenden Leitern zu erklimmen wagen kann, nimmt die Gefälligkeit der Thurmbewohner ein Ende. Ganz unten, im Niveau mit der Kirche, macht gewöhnlich ein junger Geistlicher den Cicerone. Weiter hinan, bis zum Kirchdach, herrschen die Küster. Dann kommt man in das Territorium der Glöckner; oben schalten die Thurmwächter, und im Innern der Spitze geben Fledermäuse in ungezählten Schaaren das Geleit. Diese machen die Honneurs umsonst; alle andern lassen sie sich tüchtig bezahlen. Auf jeder Treppe und jedem Absatz haben diese Leute etwas zu zeigen, oder geben dem Beschauer etwas zu bewundern; bald eine große Glocke, bald eine Inschrift; bald ein Schallloch, durch welches irgend ein Lebensmüder oder Wahnsinniger sich hinabgestürzt hat, und sie erzählen seine Lebensgeschichte in