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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band | |
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künftigen Völkern die Thätigkeit des Imperators in diesem entlegenen Gebiete seines Weltreichs. Die Hand der Zeit, Wetter und Stürme wischen zwar seit sechzehn Jahrhunderten an den Buchstaben; aber wenn sie auch ganz verschwunden wären, so wird doch, so lange ein Segel auf der Donau zu sehen ist, der Schiffer den Willen segnen, welchem es gelang, den Strom zu zügeln und gebrechlichen Fahrzeugen durch die Katarakten und Strudel des eisernen Thores den ersten Weg zu bahnen. Ihn zu vervollkommnen, ihn anzupassen den Bedürfnissen der heutigen Schifffahrt, das ist ein Werk, würdig unserer Zeit, die schon viel Größeres ausgeführt hat.
Orsova, die türkische Festung, (eigentlich Neu-Orsova, denn das gegenüberliegende Alt-Orsova ist ein österreichischer Grenzort), liegt auf einer schmalen Insel der Donau, die sich ober- und unterhalb in furchtbaren Strudeln zwischen den Felsen bricht. Auffallend ist der Contrast zwischen österreichischer und türkischer Herrschaft. Noch in Alt-Orsova macht das bunte Gemisch vieler Völker: Wallachen, Griechen, Illyrier, Serben, Italiener, Deutschen, Juden, Armenier, Zigeuner, Kroaten etc., eine Scene voller Leben und Rührigkeit: in Neu-Orsova hingegen ist der türkische Typus vollständig entwickelt, – Alles trägt das Gepräge der Ruhe, des schweigsamen, eintönigen Despotismus. Der Ort selbst ist schlecht gebaut und die Festungswerke sind verfallen. Doch ist Neu-Orsova der Sitz eines Pascha’s, von dessen Palast, – einem in ächt-türkischem Styl, – der Stahlstich ein treues Bild gibt. –
Die Insel Seeland ist wie ein Garten, oder vielmehr wie ein Park, in welchem die Kultur nur dazu gedient hat, die Reize der Natur bemerklicher zu machen. Grüne Hügel und üppige Wiesengründe wechseln mit reichen Getreidefeldern ab; Städte und Dörfer sind selten und gewöhnlich hinter dichtem Laubgehölz verborgen; weit häufiger sieht man einzelne Gehöfte, die Sitze bäuerlicher Unabhängigkeit. Der Hauptschmuck des Landes sind aber die Wälder. Sie bestehen fast durchgehends aus Buchen, und dieser Baum wächst nicht, wie in unsern Hochwäldern, in einem einzelnen Stamme schlank empor, sondern vielstämmig treibt er aus der gemeinsamen Wurzel seine Kronen und jede
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1843, Seite 66. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_10._Band_1843.djvu/76&oldid=- (Version vom 6.12.2025)