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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band | |
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Am Ende der Schlucht hat man eine freie Aussicht und ein paar Steinbänke laden zum Ausruhen. Man übersieht einen großen Theil der sächsischen Schweiz mit dem Elbthal; der Pfaffen-, der Lilien- und der Königstein nehmen sich vorzüglich schön aus. Eine Allee führt von da zum Wirthshause der Bastei, einem ansehnlichen Gebäude, wo an schönen Tagen immer eine Menge Menschen, sowohl Dresdner als Reisende aller Nationen, angetroffen werden. Die Wirthschaft hat den Ruf, gut zu seyn und verdient ihn.
Dicht am Hause umgibt ein Geländer die Stirn eines weit in das Thal hinaustretenden Felsens. Von diesem Punkte übersieht man die ganze Gegend. Zunächst unter der 700 Fuß hohen Felswand rauscht die Elbe. Leicht trägt sie die schwere Last der Flöße und Schiffe und die mit schwellenden Segeln dahin gleitenden Fischernachen und die Kähne mit der bunten Menge, die landet oder heimfährt.
Seitwärts ragen die wunderlich gestalteten Rathener Felsmauern: die große und die kleine Gans, der Gammerichstein und nahe der Bastei die Steinschleuder und die Neurathener Gruppe mit dem altersgrauen Gemäuer einer Sorben-Burg. Weiter unten im Thale liegt der Ort Rathen mit seinem Thurme und die malerisch bewachsene Ruine Altrathen. Der Nonnen- und der Bärenstein starren zur Rechten empor, und in weiterer Entfernung prangen die Felskegel: der Lilienstein und der Königstein mit ihren Mauerzinnen, welche die Landschaft beherrschen, die sie schmücken. Zwischen ihnen tritt der Quirl keck hervor. Die Dschirnsteine, der Pabst, der seltsam geformte Zirkelstein und der bewaldete Rosenberg begrenzen den Horizont, und nach Böhmen hin treten der Hohenstein mit seiner alten Veste und der Winterberg, der höchste des Landes, duftig und blau in den Aether. Die Basteifelsen und die Schluchten, welche die Gruppen trennen, sind zum Theil durch Brücken und Stege gangbar gemacht, und wo Gefahr war, hat man sie durch Geländer und Brustwehren zu beseitigen gesucht. Um alle die merkwürdigen Stellen zu besehen, reicht indeß ein Tag nicht aus und Viele beschränken sich nur auf die nächsten Punkte: sie besuchen das Rathener Thor und die Steinschleuder, die höchste Kuppe der Bastei, zu welcher über eine furchtbare Schlucht hin eine Balkenbrücke führt.
Wer aber mit der Zeit nicht zu kargen braucht, der nehme sich einige Tage, um von der Bastei aus das merkwürdige Gebirge zu durchwandern, welches durch die Menge von kleinen Flüssen und Bächen und durch die unzähligen Einschnitte, die es aus dem ewigen Kampfe mit den starken Elementen und der Alles zerstörenden
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1843, Seite 89. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_10._Band_1843.djvu/99&oldid=- (Version vom 9.12.2025)