Seite:Meyers Universum 11. Band 1844.djvu/13

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
CCCCLXXII. Die Börse in Paris.




Es ist ein alter Spruch, daß Geld die Welt regiere; aber keine Zeit hat ihn besser begriffen, als die unsrige. Selbst die diplomatische Kunst vermag oft nichts gegen die gewichtige Naturgewalt des Geldes, die sich in den kulturreichsten Völkern täglich mehr entkettet. Schon sieht man da und dort die Geldfürsten ihre Ansprüche zur Einwirkung auf die Beschlüsse der Regierenden durchsetzen, und ist es einmal zu einem einverstandenen Willen unter ihnen gekommen, wird erst eine europäische Millionär-Versammlung den Geist der Concentration in sie bringen, leitende Prinzipien an ihre Spitze stellen und ihnen ein Haupt, einen exekutiven Willen geben, dann wird kein Monarchencongreß ihnen entgegen seyn dürfen. Was dann die Mächtigen des Geldes Förderliches unter sich beschließen, das werden die Könige sanktioniren müssen, oder sie werden inne werden, daß es eine höhere Gewalt gibt, als die ihrige.

Der Friede hat die Macht des Geldes unermeßlich gehoben. Die Wunder, die er geschaffen, die große Industrie, die stupenden Werke des öffentlichen Nutzens, jene Kommunikationsmittel, welche Städte zusammenbauen, entfernte Länder einander nahe rücken und den Völkern Vermählungsfeste bereiten, sind zunächst das Werk des Geldes. Das Geld hat einen Bund mit der Zukunft geschlossen, und im Dienste der Kultur und Gesittung zur Umwandlung unserer socialen Zustände spielt es jetzt die erste Rolle. Sich selbst dessen unbewußt, ist es gleichsam aus dem Kreise des Materiellen in die Ideenwelt hinübergegangen, es ist emporgestiegen auf den Klüften der Unterwelt, um am Lichte des Tages zu wandeln. Es hat die Stufenjahre seines Gnomenlebens durchlaufen; seiner metallnen Fesseln ledig, wird es frei und beweglicher, und in dem Maße, wie es dem bestehenden Materiellen sich entfremdet, wie es bei größerer Ausdehnung seiner Masse größern Raum bedarf, wirkt es auseinanderdrängend und zerstörend auf den Bau, den es ehedem durch seine Schwere zu befestigen trachtete, und lockert mehr und mehr die Banden des alten gesellschaftlichen Organismus.