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Bei weitem der größte Theil der Pariser Börsengeschäfte in Fonds und Aktien besteht aus Lieferungsgeschäften, wobei es nicht auf wirklichen Besitz der Papiere, sondern blos auf die Preisdifferenz am Ablieferungstermine abgesehen ist. An einem Börsentage werden oft keine 10,000 Franken Renten wirklich cedirt, während die geschlossenen Lieferungsgeschäfte sich auf Millionen belaufen. Die eigentlichen Renteninhaber sind dem Börsenspiel in der Regel fremd, und die gewöhnlichen Fluktuationen in den Kursen werden von ihnen gar nicht beachtet. Wenn aber Ereignisse eintreten, welche die Politik des Landes bedrohlich berühren, dann bringt sie die Furcht schnell in Bewegung. Sie tragen ihre Renten zur Börse – „Les fonds arrivent“ ist der Kunstausdruck, – es gibt Fallen und Sturm und die Baissiers feiern einen leichten Sieg. Ueberhaupt ist die Pariser Börse für äußere Eindrücke sehr empfänglich, leicht erregbar und viel schwankender, als die Börsen von Amsterdam und London.

Die Damen der Hauptstadt sind dem Spiel auf der Börse nicht fremd. Früher sah man sie sogar an den Schranken des Parquets im dichten Gedränge der Männer; indessen ist diese Unschicklichkeit jetzt beseitigt. Die Damen sind an das hintere Gitter der Börse verwiesen, wo ihnen eine Schaar von Maklern dient, um ihre Aufträge zu Kauf und Verkauf in den Börsensaal zu bringen und sie über die Wandlungen der Kurse zu unterrichten. Den weiblichen Spielerhaufen zu beobachten, ist pikant genug. Die meisten gehören den vornehmen Kreisen an. Man sieht jugendliche, schöne Gestalten, mit allen äußern Zeichen des Rangs und des Reichthums, den Affekten der niedrigsten Leidenschaft hingegeben, und nach unglücklichen Operationen endigte schon Manche in Verzweiflung.

Es ist allgemein bekannt, daß sowohl Glieder der königlichen Familie, als auch Minister, im Fondspiel oftmals ungeheure Summen gewonnen haben. Als endlich die öffentliche Meinung die Einstellung des argen Mißbrauchs einer ausschließlichen Benutzung der telegraphischen Depeschen von Seiten der Eingeweiheten durchsetzte, befahl das Gouvernement, jene Nachrichten sogleich nach Empfang derselben an der Börse anzuschlagen. Solches geschieht nun auch der Form nach; demungeachtet sind die wichtigsten immer schon abgenutzt, ehe sie dem Publikum bekannt werden.

Ich habe viele Börsen gesehen und kenne die Börsenwelt und ihr Treiben aus langer, eigner Erfahrung. Ich habe gefunden, daß in keinen Menschenkreisen weniger Zufriedenheit ist und die Ruhe seltner wohnt, als dort. Auch die glücklichsten Börsenspieler, Leute, die ohne Mühe schnell zu kolossalem Vermögen gelangt waren, fand ich nie befriedigt; denn das Gelüste ihrer Habsucht war stets größer, als ihr Gewinn. Das Geld macht die Menschen nicht glücklich. Wer diese Wahrheit in Frage stellen könnte, der möge nur einige Male eine Fondsbörse besuchen, und sein Zweifel wird verstummen.