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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band | |
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zwei Hälften aus einander, deren eine, und zwar die größere, als Katarakt zur Tiefe donnert. Wehe dem ungeschickten Schiffer, der nicht wüßte zeitig in den kleineren Arm einzulenken; er würde unfehlbar zerschmettert werden. – Unterhalb des Katarakts steigen die Ufer senkrecht, wie die Mauern eines Thors, das Cyklopen erbaut haben, in die Lüfte. Hier hat die Donau die Tiefe von 170 Fuß und ist auf 522 Fuß eingeengt. Eine schöne Kunststraße, dem Fels abgewonnen, führt am Ufer hin. Es ist die Prachtpartie der ganzen Donaufahrt, welche alles Andere, was sie an erhabenen Naturszenen zeigt, hinter sich läßt. Tiefe, dunkle Grotten von ungeheuerer Größe sperren ihre dunklen Rachen auf, schroffe, schwarze Felsklippen thürmen sich, weite, überhangende Wände bedräuen aus der Höhe mit Vernichtung, und, bald zischend und brausend, bald rollend, bald heulend fluthet der Strom, eilig, voll Ungestüm, um sich in die Arme des Euxinus zu stürzen.
Im linken Ufer sind eine Menge Grotten ausgehöhlt, von denen einige tief in’s Gebirge dringen und im Innern durch Seitengänge verbunden sind. Die berühmteste derselben ist die Höhle Veterani’s, zu Ehren des österreichischen Generals so geheißen, der im Türkenkriege, zu Anfang des vorigen Jahrhunderts, eine Festung daraus machte. Schon die Römer hatten sie zu gleichem Zweck benutzt. Davon zeugen noch die antiken Inschriften über dem Haupteingange.
Veterani ließ die Seitengänge aufräumen, richtete Magazine für Munition und Proviant und eine Feldbäckerei in derselben ein, versah die Zugänge mit eisernen Thoren und Kanonen, und die dreihundert Mann starke Besatzung hielt mehre Belagerungen der Türken mit Erfolg aus. Man sieht viele Ueberbleibsel jener kriegerischen Einrichtungen, und mit Grauen den Abgrund, in welchen die türkischen Gefangenen hinab gelassen wurden, wo sie umkamen. –
Weiter abwärts, unterhalb Orsowa, bietet die Stromfahrt noch ein höchst imposantes Bild dar. Schon in stündiger Entfernung hört man die tosende Brandung, und es bevölkert sich der Strom mit abenteuerlichen Gestalten, Klippen und Zacken, zwischen denen Schaumwirbel den Feenreigen tanzen. Das ist Demirkapi, das eiserne Thor, der Schrecken der Schiffer.
Jenseits des eisernen Thors ist Alles verändert. Das ziehende lange Meer der Donau breitet sich aus, und sanft und beruhigt wallt es dahin, anfangs zwischen rebenbepflanzten Hügeln, dann durch die unabsehbaren Ebenen Bulgariens. Ein frischeres Weltgrün, ein tieferes Himmelsblau scheint aufgethan – Alles haucht
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1844, Seite 199. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_11._Band_1844.djvu/207&oldid=- (Version vom 11.3.2026)