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wärmer an, die Landschaft strahlt in tieferem Farbenglanz, die Luft selbst scheint eine andere Mischung. Aus dem ganzen Erdenleben tritt eine reichere, innere Fülle hervor; man fühlt des Morgenlandes Nähe und scheidet von Europa, noch ehe man es verlassen.

Bald zwischen zahllosen Inseln, die baumhohes Schilf, von unzähligen Wasservögeln belebt, bedecken, bald an üppigen Ufergeländern hin, deren Dörfer zwischen schlanken Zypressen und schattenden Platanen freundlich hervorschauen, geht die Fahrt fort, bis Sistow’s liebliche Ansicht das Auge fesselt. Keine Stadt an der untern Donau nimmt sich aus der Ferne so reizend aus. Terrassenartig steigen die Straßen von der Mitte eines hohen Bergkegels zum Strome nieder, und auf dem Gipfel ragt schützend und drohend das alte Kastell, das schon die Römer zu einem Waffenplatz erkiesten. Das glänzende Weiß der Häuser mischt sich mit dem dunkeln Grün der Zypressenwäldchen und Gärten, welche einen großen Theil des Raums innerhalb der Stadtmauer einnehmen, und die schlanken Minarets sehen aus wie Riesenkandelabers, bestimmt, das ganze Bild zu beleuchten und zu verherrlichen. Hinter der Stadt aber baut sich das Gebirge des Hämus in blauer Färbung und schönen Formen auf.

Sistow ist das erste ganze Stück des Morgenlandes, und von da an verändert es seinen Charakter nicht mehr. Im großen Buche der Natur sind nun andere Blätter aufgeschlagen – ihre Typen haben eine andere Gestalt, Flora und Fauna tragen andere Formen. So Kostüm und Sitte, so Physiognomie und Charakter der Menschen.

Sistow ist ein aufblühender Ort und enthält fast 4000 Häuser. Die Lage, das gesunde Klima und die Fruchtbarkeit der Gegend sind die Stützen seines Wohlstandes, der um so lieber bemerkt wird, je sichtbarer die übrigen Städte der untern Donau, Braila und Galatz etwa ausgenommen, verarmen und verfallen.