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Darum soll Niemand zagen. Der Zweifler an der Fortentwickelung der menschlichen Glückseligkeit hat nirgends Grund für seinen Unglauben, als in seinem eigenen, gebrochenen Herzen. Wer aber Vertrauen hegt, sänke er auch selbst zusammen unter den Schlägen des Mißgeschicks und würde er zerdrückt von der dunkeln Erdenlast, der findet in jedem Stern am Himmel eine Urkunde seines Glaubens.


Einsam im Strome ragt unterhalb des Städtchens Grein ein Fels mit einem gigantischen Thurmgemäuer, zwiefach verrufen ob der schauerlichen Sagen und der gefährlichen Wasserstelle in seiner Nähe. Es ist der gefürchtete Donauwirbel (Werfel nennen ihn die Schiffleute), in welchem sich die Fluthen des weiten Strombeckens kreiselnd drehen. Das Bett der Donau ist an dieser Stelle trichterförmig ausgehöhlt, wodurch die wirbelnde Bewegung der Fluth hervorgebracht wird, welche, zusammenwirkend mit dem pathetischen Charakter der ganzen Strompartie, einen eigenthümlichen und überraschenden, fremdartigen und ungeheuerlichen Eindruck zurückläßt. Der alte Thurm auf dem Fels heißt noch jetzt der Pein- oder Teufelsthurm, und war in den ritterlichen Zeiten des Faustrechts einer jener Banditenhöhlen, welche den friedlichen Schiffern der Donau die Schrecken der Natur nur um so schrecklicher und gefürchteter machten. – Von den Gräueln, die hier verübt worden sind, laufen die Sagen von Mund zu Mund und von Geschlecht zu Geschlecht fort, und noch zeigt man bei niedrigem Wasserstand die Oeffnungen an der Mauer, welche zu den unter dem Wasserspiegel der Donau befindlichen Verließen führen, in die man die Schlachtopfer der Habsucht stürzte und ersäufte, welche außer Stand waren, binnen gesetzter Frist ihre Auslösung zu bewirken. Um Mitternacht, wenn der Sturm die Wogen peitscht, hört man – so wird erzählt – das Wehgeheul der Gemordeten und kein Schiffer fährt an den schwarzen Mauern vorüber, ohne zum Schutz vor den bösen Geistern andächtig sein Kreuz zu schlagen.

Unterhalb des Wirbels winkt auf einer dem steilen Ufer mühsam abgerungenen Platte das friedliche Gebäude von St. Nicola. Dieses Hospital wurde im Jahre 1144 von einer frommen Frau, Beatrix von Klamm, zur Pflege beraubter, verwundeter und verunglückter Donauschiffer und Handelsleute gestiftet. Es war eine Stiftung im Geiste jener ächten, werkthätigen Frömmigkeit, welche die Hülfe neben die Gefahr hinstellt, und der Segen der guten That hat auf ihr geruht volle sieben Jahrhunderte. Schonend sind die Wetter des Kriegs und der Elemente über sie hingezogen, und dem Fährmann des Spitals, der von den Vorüberfahrenden für die Anstalt eine Gabe heischt, gibt jeder auch heute noch gern nach seinem Vermögen. – Das Unrecht ist vergangen; sein starkes Haus liegt in Trümmer, und von den eisernen, eiskalten Räuberherzen blieb nichts,