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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band | |
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von ihrem Thun blieb nur der Fluch der Sage zurück: – aber die gute, fromme That freut sich alle Tage ihres Seyns, und selbst wenn sie von Andern heischt, schließt sie, wie ein Frühling, den innern Menschen auf. Wie Viele könnten im gleichen Sinne wirken, wie Viele sich mit vergleichsweise geringen Opfern zur Quelle machen, die ringsum grünes, wallendes Leben verbreitet und Herzen erwärmt, wenn das eigene Herz längst ausgeschlagen! – Und wie gar Wenige thun es doch von Euch, ihr armen reichen Menschen!
Unterhalb der serbischen Hauptstadt Semendria, deren dreiundzwanzig Thürme von ihrem früheren Glanze Kunde geben, mündet die Morawa in die Donau. Jener Fluß ist die Scheide zweier Reiche, mehrer Religionen und vielerlei Volks: denn an seinen Ufern und seinen Zuflüssen, welche in die unwegsamen Gebirge des Grenzlandes reichen, hausen die Trümmer der Nationen, welche einst vor Römerschwert und Völkerwanderungsdrang aus ihren heimathlichen Sitzen in die Berge flüchteten. Hier sehen wir die wohlgebauten Serben und Raitzen, schwarz von Haar und Bart, und ihre dunkelgelockten, dunkeläugigen Mädchen und Frauen in kleidsamen Trachten; den hagern, raschen Walachen mit dem gelblichen Teint, den Völker-Mischling der nachrömischen Epoche; armenische und jüdische Händler mit ihrem unaustilgbaren Typus des Orients; den gewandten, feurigen Szekler; den deutschen Bergmann, deutsch noch in Kleid und Sprache, in Zügen und Sitten, obschon er seit länger als einem Jahrtausend, der Heimath entfremdet, hier die Schätze der erzreichen Berge gräbt: die feste, gedrungene Gestalt, stark und kernhaft, mit Erzleder und schwarzem Bergkittel angethan und grüßend mit einem „Glück auf!“ – endlich die olivenfarbenen Zigeuner mit den schwarzen verfilzten Haaren, ihren blendenden Zähnen, ihren wohlgebauten, durch Lumpen kärglich verhüllten Leibern: das Volk räthselhaften Ursprungs, welches noch vor wenigen Jahrzehnten inmitten europäischer Civilisation ein gesetzloses Nomadenleben führte, bis es, überall ausgestoßen, sich hier in dem türkischen Grenzlande wieder zusammenfand.
Siebenbürgens Alpen strecken in dieser Gegend zahlreiche Arme der Donau zu. Es bilden sich dadurch eine Menge Querthäler, die weit hinauf in’s Gebirge reichen und Blicke in eine Alpenwelt gönnen, deren geheimnißvolle
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1844, Seite 208. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_11._Band_1844.djvu/216&oldid=- (Version vom 11.3.2026)