Seite:Meyers Universum 11. Band 1844.djvu/223
| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band | |
|
|
Großbritanniens jene Tugenden verlieren würde, so würden keine Flotten, keine äußere Macht, keine Kunst der Politik den Verfall der englischen Wohlfart aufhalten und verhindern können, daß die englischen Waaren vom Markte weggewiesen würden. Die mächtige englische Handelsflotte würde bald ein Fremdling seyn an vielen Küsten und der britische Unternehmungsgeist, der jetzt die Schätze der ganzen Welt gegen die Erzeugnisse des britischen Fleißes tauscht, würde keine Nahrung mehr finden; er würde verschwinden, wie einst der von Trapezunt und Venedig verschwunden ist.
Im festen Verein mit diesen Tugenden, als der eigentlichsten Grundlage britischer Größe, gelangen die bewunderungswürdigen Anstalten zu ihrer vollen Wirksamkeit, welche Englands äußere Politik so thatkräftig und so gefürchtet machen. – Gute Seehäfen und wohleingerichtete Arsenäle zur schnellen vollständigen Ausrüstung von Flotten sind von der höchsten Wichtigkeit für jede Seemacht, und in allen Staaten, die nach commerzieller und kriegerischer Größe auf dem Meere strebten, wurden stets ungeheuere Summen auf deren Herstellung verwendet. So zumal in unsern Tagen von Rußland und Frankreich. Was Cronstadt und Sebastopol, was Brest, Rochefort und Toulon in dieser Hinsicht Großes und Bewunderungswürdiges besitzen, erscheint jedoch nur klein, verglichen mit den englischen Anstalten in Portsmouth, diesem unscheinbaren Winkel der Erde.
Ich sage unscheinbar; denn der Eingang zum schönsten Hafen Großbritanniens ist schmal und eng, und die Stadt selbst, welche ihm zur Seite liegt, ist ein großer Haufen meist unansehnlicher Häuser, ohne Anspruch auf zweckmäßige Anlage oder malerische Gruppirung. Aber hinter der engen Einfahrt dehnt sich das prachtvollste Bassin aus, welches so groß ist, daß es alle Flotten Großbritanniens fassen könnte. Es ist so tief, daß die Riesen des Meers, die Dreidecker von 130 Kanonen, noch dicht an den Kayen flott bleiben, es ist frei von Felsen, Untiefen und sonstigen Hindernissen und hat überall den besten Ankergrund. Um dieses herrliche Becken her liegen die Docks und andere Anstalten zum Erbauen, Ausrüsten und Ausbessern von Kriegsschiffen, alle nach dem großartigsten Maßstabe und mit jeder Bequemlichkeit versorgt, und diese sind wieder umgeben mit einem Gurt von Befestigungen, in welchen die Kriegskunst Alles aufgeboten hat, um diesen kostbarsten Schatz Englands für jede Feindesgewalt unantastbar zu machen. Der Hafen von Portsmouth hat noch den unschätzbaren Vorzug, daß er in unmittelbarer Verbindung mit der Rhede von Spithead steht, die, von der vorliegenden Insel Wight vollkommen geschützt, die sicherste im ganzen Kanal ist. Von diesem Punkte aus wurden in dem letzten, langen Kampfe mit Frankreich und seinen Alliirten jene Armaden in alle Meere geschickt, welche die Geschwader der übrigen Seemächte vernichteten[1], die Kolonien aller Staaten des Kontinents eroberten, ihrem Handel
- ↑ In jener Periode zerstörten oder eroberten die Engländer nicht weniger als 156 Linienschiffe, 582 Fregatten, 662 Korvetten und über 3000 kleine Kriegsschiffe, zu deren Wiederherstellung 25 Jahre und 1000 Millionen Thaler nicht hinreichen würden.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1844, Seite 215. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_11._Band_1844.djvu/223&oldid=- (Version vom 13.3.2026)