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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band | |
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Katalonien ist Barcelona, denn Barcelona ist der Brennpunkt, das Leben des ganzen Landes. Deshalb ist Kataloniens Geschichte auch die seinige. Alle großen Ereignisse erhielten hier Vollzug, hier entschieden sich die Kriege, hier wurden die Friedenspakte geschlossen.
Barcelona war die erste spanische Großstadt, welche die Römer von den Carthagern gewannen; sie war die letzte, welche von ihnen verlassen wurde. Die Gothen besaßen sie nicht lange; dann bekam sie Herren aus Italien, aus dem Norden Europa’s, aus Afrika. Auch die Besetzung der Araber war von kurzer Dauer; der Schlag, den Karl Martell bei Poitiers gegen sie führte, warf sie bald bis an den Tajo zurück. Um jene Zeit (902-903) hatte Barcelona die 17 Monate dauernde denkwürdige Belagerung gegen Ludwig den Aquitanier auszuhalten, in welcher von der Bevölkerung über 60,000 umkamen, und bald darauf, unter christlicher Herrschaft, eine zweite gegen die Sarazenen, in Folge welcher, nach heldenmüthigem Widerstand, der Rest der Einwohner zu Sklaven gemacht wurde, bis sie das christliche Schwert wieder befreite.
Schnell entfaltete sich seitdem die Glanzzeit seiner Geschichte unter den christlichen Beherrschern Kataloniens. Hauptstadt eines unabhängigen Staats geworden, nahm es in eben dem Maße zu, als sich des letztern Macht vergrößerte. Sardinien und Sicilien wurden erobert, siegreich mit Byzanz gekämpft und diesem ein großer Theil von Griechenland entrissen, während die Handelsflotte von Barcelona, dem neuen Carthago, alle bekannten Meere bedeckte und in der mit Reichthümern erfüllten Stadt Künste und Wissenschaften mit der arabischen Civilisation erfolgreich wetteiferten. Nicht als ob die Barcelonesen während und nach dieser Periode dauernden innern Frieden genossen hätten: ihr stolzer, unruhiger Geist und ihr unbeugsamer Sinn für Freiheit verwickelte sie oft in Kämpfe gegen ihre eigenen Fürsten und Magistrate und brachte der Stadt manchmal schwere Tage. Doch das frische, rührige Leben, das ihr innewohnte, vernarbte schnell jede Wunde wieder.
Im Erbfolgekrieg ward (1702) Barcelona von Philipp V. in Person mit gewaltiger Anstrengung, doch fruchtlos belagert. Ja, nachdem schon ganz Spanien die neue Dynastie anerkannt, nachdem England und Oesterreich Barcelona seinem Schicksal überlassen und ihre Truppen entfernt hatten, behielt die Stadt noch den Muth, allein den vereinigten spanischen und französischen Heeren und Flotten zu widerstehen. Die damalige Belagerung ist jenen von Numantia und Saragossa zu vergleichen. Als die feindlichen Kugeln die Zinnen von den Bürgern, ihren Vertheidigern, so gelichtet hatten, daß diese allein nicht mehr vermögend waren, die täglichen Stürme abzuschlagen, bildeten sich die Frauen und Mädchen zu Bataillonen und halfen bei der Vertheidigung mit Löwenmuth. Nachdem allmählich in dem ungleichen Kampfe alle Werke verloren waren, vertheidigte die Bevölkerung Straße für Straße noch mehre Wochen lang; jedes Haus wurde zur Festung, und jedes erforderte einen Sturm und ein Blutbad zur Eroberung. Erst nachdem drei Viertheile der Einwohner gefallen waren, die Stadt zur Hälfte in Schutt
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1844, Seite 222. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_11._Band_1844.djvu/230&oldid=- (Version vom 17.3.2026)