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DXIV. u. DXV. Die Salzbergwerke von Wielitzka.




Am nördlichen Abfall des karpathischen Vorgebirgs, im Hintergrunde eines freundlichen Thals, zwei Stunden von der Stadt Krakau entfernt, liegt Wielitzka, umgeben von Anlagen und hübschen Gärten. Mehre Kunststraßen und zwei im Bau begriffene Eisenbahnen, die eine von Wien, die andere von Breslau herkommend, führen dicht an der nett gebauten, mit reinlichen und regelmäßigen Straßen versehenen kleinen Stadt vorüber, unter welcher sich die Salzbergwerke befinden, die ihren Namen weltberühmt gemacht haben: denn es sind die größten, ausgedehntesten auf der ganzen Erde.

Ehe wir sie befahren, wollen wir ihre geognostischen Verhältnisse betrachten und einen Blick auf ihre Geschichte werfen.

Das ganze Steinsalzgebirge, das sich auf der Nordseite der Karpathen über 12 Meilen weit ausdehnt, gehört zur Formation des Jura. Unmittelbar unter dem obersten aufgeschwemmten Lande treten mächtige Thonschichten auf, in welchen Steinsalz von verschiedener Güte, Farbe und Reinheit in ungeheuern, meistens rundlichen Massen eingebettet liegt, und diese sind es, welche den Gegenstand des großartigen Bergbaus ausmachen, der seit länger als 700 Jahren umgeht. Schon im zehnten Jahrhundert wurde hier Salz gegraben, und unter der Regierung Boleslaus (um das Jahr 1240) bekam der Bergbau Regelmäßigkeit und Bedeutung. Seitdem galt Wielitzka als eine unversiegbare Goldquelle der polnischen Könige, und eine solche, noch größere, ist sie für Oesterreich geworden, seitdem diesem Staate in der Theilung des polnischen Reichs mit Gallizien der Schatz zufiel. Wassersnoth brachte mehrmals die weitläufigen Werke zum Erliegen und zweimal wurden sie durch Feuersbrünste gänzlich verheert. Die erste brach im Jahre 1515 durch die Bosheit eines Arbeiters aus und bei derselben verloren mehre Hundert Bergarbeiter auf jammervolle Weise das Leben; die zweite entstand 1644; Menschen und Pferde kamen um, der Brand dauerte ein ganzes Jahr, die unterirdischen Räume stürzten meist ein, und ein Theil der Stadt selbst versank in den Abgrund. Seitdem ist durch treffliche Löschanstalten und strenge Grubenpolizei die Wiederkehr solcher Unfälle verhindert worden.

Von der außerordentlichen Größe dieser unterirdischen Bauwerke kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man erfährt, daß alle Strecken, Gänge und ausgehauenen Räume eine Gesammtlänge von 120 Stunden haben