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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band | |
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am Füllort vermehrt den chaotischen Lärm. Doch herrscht bei allem scheinbaren Gewühl der Geist der Ordnung vor; Jeder wirkt für den Zweck, wie in einer gut construirten Maschine das einzelne Rad.
Durch ein gemauertes, bei Feierlichkeiten prächtig erleuchtetes Portal gelangt man zu einem Gang, der auf 120 in Salz gehauenen Stufen zu der Kammer Michalowic hinführt.
Ihr Anblick setzt in Erstaunen. Das an den Schein der Grubenlampe nicht gewöhnte Auge bemüht sich vergeblich, den Raum zu fassen; nur rathend schweift es in den dunklen Fernen. Im tiefen Hintergrunde hängt ein ungeheuerer Kronleuchter, auf dem 400 Kerzen Platz finden. Er ist ganz aus weißem Krystallsalz gefertigt. Bei Anwesenheit hoher Gäste wird er angezündet, und auf in der Höhe angebrachten Balkonen sind dann Musikchöre und die Liedertafel der Bergknappen plaçirt. Wunderbar ist die Wirkung der Töne in dieser Halle, denn indem sie an den harten Salzwänden abprallen, wie von einem natürlichen Resonanzboden, so verschmelzen sie so in einander, daß der Zuhörer kaum errathen kann, von welcher Seite sie eigentlich herkommen. –
Durch eine Stiege leitet der Führer in die tiefste Sohle des ungeheuern Raums, und von da wieder Treppen hinan und über Terrassen hin, unter dem großen Lüstre weg, zu einer mit Geländer versehenen Empore. Neuer, überraschender Anblick! Schwalbennestern ähnlich kleben Bühnen an den senkrechten, oder überhängenden Felswänden in schwindelnder Höhe, durch gebrechliche Leitern mit einander verbunden. Von jeder Bühne blinken Grubenlichter, wie Sternchen, und es dröhnen die Schläge zum Spalten des Gesteins, das prasselnd auf den Boden herabfällt. Ueberall ist’s lebendig. Von Sprosse zu Sprosse sieht man auf den schwindlichen Fahrten die behenden Bergleute hinauf und hinab klimmen, in einer Hand die Lampe, mit der andern die Leiter fassend. Dunkle, niedrige Gänge öffnen sich da und dort an den Wänden, Gestalten erscheinen und verschwinden in denselben, man denkt unwillkührlich an Berggeister und Rübezahl.
Die ganze Pracht dieses Saals offenbart sich dann, wenn, wie bei feierlichen Anlässen geschieht, bengalisches Feuer denselben erleuchtet. Sein Eindruck wird nie aus der Erinnerung schwinden.
Eine enge Treppe hinab leitet nun der Führer in den 330 Lachter langen Querschlag Lichtenfels, welcher mit einer Reihe geräumiger Kammern, in denen eine Menge Bergleute beschäftigt sind, in Verbindung steht. An einer Stelle, von einer hölzernen Brücke, blickt man mit Grausen durch einen Abgrund in den dritthalbhundert Fuß tiefer liegenden Verhau Kloski, wo die Knappen nur wie handlange Gnomen erscheinen und ihre Grubenlichter wie Diamanten funkeln. – Durch Strecken und Verhaue, Stiegen auf und ab, wird die Kammer Hrdina erreicht, wo das Steinsalz so fest ist, daß es nur durch Sprengen mit Pulver gewonnen werden kann. Aus weiter Ferne schon hört man das Schießen wie dumpfen Kanonendonner, und in der Nähe wird es so schreckhaft, daß Jeder eilt, fortzukommen. Weit lieber weilt man da, wo die Häuer die verschrämten Salzwände
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1844, Seite 234. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_11._Band_1844.djvu/242&oldid=- (Version vom 18.3.2026)