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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band | |
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mit Keilen und großen Hämmern ablösen und ein letzter Schlag hinreicht, um Massen von vielen Tonnen herabzustürzen. – Auf der weitern Fahrt wird dem Gaste eine große Ueberraschung durch den Anblick eines unterirdischen Salzsees, an dessen acherontischem Ufer eine Gondel zur Ueberfahrt einladet. Man steigt ein, vier rüstige Bergknappen ergreifen die Ruder, die Ufer verschwinden, und aus dem ruhigen Wasserspiegel glitzern die Grubenlichter herauf, wie die Kerzen aus einem Feenschloß. Der See ist an 6 Klafter tief, und am andern Ende desselben drückt sich das hohe und weite Gewölbe zu einer so niedrigen und schmalen Kluft zusammen, daß sie kaum groß genug ist, den Nachen zu fassen. Die Vorstellung einer Höllenfahrt erscheint hier als Wirklichkeit; bebend und ganz verdutzt beugt sich der Tourist auf den Boden des Nachens nieder und läßt sich willenlos durch den Schlund rudern, bis ihn der Führer erinnert, daß die Wasserfahrt zu Ende sey. Er sieht sich nun in einer Grotte, von deren Wänden die frisch angeschossenen Salzkrystalle wie Rubinen und Smaragden strahlen. In einer Nische steht eine Statue. Ueber ihrem Haupte hängt eine Lampe und das von den Spiegelflächen der Salzkrystalle zurückgeworfene Licht umgibt die Bildsäule mit einem Heiligenscheine, der die Gläubigen zur Ehrfurcht hinreißt. Oft sieht man hier Bergleute im Gebet knieen. –
Den Beschluß der Grubenfahrt macht gewöhnlich der große Saal Letow, der, aus reinem Salz ausgehauen, durch sechs Lüstres aus Krystallsalz erleuchtet wird. Ueber einem prächtigen Portal ist eine Gallerie, auf welcher 200 Musikanten Platz finden. Dieser Raum dient bei der Anwesenheit des Kaisers zum Banket- und Ballsaale; er faßt über 1500 Menschen. Ein solches Fest, tief im Bauche der Erde, wo bei der glänzendsten Beleuchtung sich die Pracht und der Schmuck eines kaiserlichen Hofs entfaltet, ist keine Feder zu beschreiben im Stande. Die Ausfahrt aus diesem Saale folgt entweder mittelst des Seils durch den Tageschacht Danielowic, oder durch die bequeme Wechselstiege im Schachte Francisci.
Es ist sehr zu bedauern, daß gegenwärtig die Krone aller Wunder Wielitzka’s, die berühmte Kammer Przykosz mit ihrem großen Salzsee, ohne Gefahr nicht mehr fahrbar ist, indem sie, 1834, theilweise mit Bergen verstürzt werden mußte. Da sie aber wohl später wieder aufgeräumt werden wird, so findet die Beschreibung eines Besuchs derselben hier eine passende Stelle. – „Es ist ein unermeßlicher Saal, dessen Wölbung in einer, dem Auge unsichtbaren Höhe verschwindet. Ein See von gesättigter Soole, schwarz von Farbe, nimmt den ganzen untersten Rand ein; überhängende Salzfelswände, die mehre hundert Fuß hoch scheinen, umschließen sein Ufer. Nichts ist weiter vorhanden, als eine Art Damm mit einer Brustlehne. Der Kahn wird bestiegen, er stößt ab, gleitet ohne Schwanken auf der spiegelglatten Oberfläche hin und verliert sich in einer tiefen, düsteren Schlucht, wo er landet. Da hebt erst ganz leise, dann aufsteigend zu immer kräftigern Tönen, eine schwermüthige Musik an; es sind Töne, die aus einer andern Welt zu kommen scheinen, denn das
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1844, Seite 235. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_11._Band_1844.djvu/243&oldid=- (Version vom 18.3.2026)