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Auge müht sich vergeblich ab, ihre Urheber zu entdecken. Kaum hat das Adagio geendigt, so öffnet sich ein Höllenrachen in der Tiefe, Flammen züngeln heraus, er sprudelt Feuergarben gegen die glitzernden Wände. Das bengalische Feuer wandelt die Finsterniß in die Helle des Tags, auf den Bühnen rufen, in festlicher Tracht aufgestellt, Knappen ihr dreimaliges Glückauf! und dann beginnen sie mit kräftigen Männerstimmen ihren Berggesang. Er schweigt – die Feuer erlöschen: – da steigen noch einmal tausend Raketen vom See auf, beleuchten die Wölbung und enthüllen auf Augenblicke die unermeßliche Höhe. Auch sie erlöschen und alles sinkt in Finsterniß zurück.“

Solche Schauspiele bietet Wielitzka dann dar, wenn ein Knappenfest gefeiert wird, oder hohe Gäste anwesend sind. Uebrigens ist es nichts weniger als angenehm, die Fahrt bei einem großen Andrang von Besuchern zu machen, denn die Gefahren sind alsdann keine eingebildeten mehr. Die Menge drückt sich in den engen Passagen und Strecken, man wird fortgeschoben und eingezwängt, so daß man ersticken möchte, und selten geht ein solcher Tag ohne Unheil vorüber.

Wielitzka liefert jährlich etwa 2 Millionen Zentner Salz, mit dessen Gewinnung 1300 Bergleute beschäftigt werden. Die Produktionsfähigkeit des Werks ist aber viel größer; ja es würde die ganze österreichische Monarchie mit Vortheil versehen können, sobald die Eisenbahnen eine billige Verfrachtung in weite Entfernung gestatteten. Seit 300 Jahren sind an 500 Millionen Zentner Salz, im Verkaufswerthe von mehr als 1000 Millionen Gulden, hier erbeutet worden, und doch ist, wenn man die Mächtigkeit und die Ausdehnung der Lagerstätten erwägt, dieß ungeheuere Quantum erst ein Tropfen aus dem vollen Eimer. Mutter Natur ist überall dieselbe. In ihren besten Gaben ist sie am überschwänglichsten, ihre Mannakörner streut sie nirgends karg und einzeln aus: mit vollen Händen hat sie solche in den Schooß der Erde gelegt. Aber ist es Recht, wenn Diejenigen, welche sich das Eigenthum derselben angemaßt, mit Zehntner- und Zöllnerhänden die Manna sammeln und um den Ueberfluß den Stachelgürtel schlagen, damit sich Niemand dessen freuen könne? Wie viele Frohn- und Steuertage stehen neben jedem Aerndtetage und wie selten trinkt der den Wein, der den Weinberg mit seinem Schweiße düngt und mühsam die Trauben keltert! Die Erde ist so schön und so reich und wohl überall ein Paradies zu nennen, wären nicht immer so viele Hände thätig, sie schwarz auszuschlagen und das lichte Herrgottshaus zu einem Trauersaal zu machen.

Doch die Völker sind wie die Kinder. Wenn es auch möglich wäre, die ganze Erde in einen Gottesacker zu verwandeln, sie würden sich doch ihr Gärtchen hinein bauen, und betröge man sie um die Seligkeit in der Gegenwart, sie bauten sich ihren Himmel in die Zukunft. Kinder haben keine Nemesis zu fürchten, denn sie sind unschuldig; wehe aber Denen, die ihnen Uebles thun; denn schon die Schrift sagt: „Wer einem Kinde Leid anthut, der ist vor Gott dreifach schuldig.“