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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band | |
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„Ihr habt eine Akropolis gebaut,“ – sagte Peel, der Premier, bei der Einweihung der neuen Londoner Börse – „und wir wollen sie in Ehren halten, wie Hellas sein Nationalheiligthum, an das diese Säulen so lebhaft erinnern.“ – Wahrlich, ein Wort, eines großen Staatsmanns würdig! Daß die englische Staatsklugheit jemals dem Prinzip entsagen könnte, welches den Handel als den Grundstein der englischen Macht zu ehren heißt, ist nicht zu denken.
Im Mittel der City, da wo Cheapside und Cornhill ihr tosendes Straßengewühl zusammengießen, im Herzen des englischen Handelslebens, gruppiren sich alle die großen Gebäude, welche den Zwecken des Weltverkehrs dienen; dort sind Bank und Post, der Palast der ostindischen Compagnie, die Stockbörse und die Royal-Exchange, d. i. die Börse für den Waaren- und Wechselhandel. Diese letztere steht auf der Stelle der alten, welche, als die schönste der Welt gerühmt, 1838 am 16. Januar gänzlich niederbrannte. Am 17. Januar 1842 war die Grundsteinlegung zur neuen Börse und binnen weniger als 3 Jahren wurde dieß massive Prachtgebäude, welches unser Stahlstich so meisterhaft veranschaulicht, vollendet. Die herrliche westliche Hauptfronte mit dem griechischen Portikus, dessen Frontispiz ruhmredige Allegorien auf Englands Handelsgröße en basrelief verzieren, führt auf Prachtstufen von Granit zum „Merchants walk“, den schönen Arkaden, welche den innern, offenen Hofraum einschließen. Dieser Säulengang ist der eigentliche Tempel für die herrschende Gottheit der Jetztwelt. In den Nachmittagsstunden von 3 bis 5 Uhr versammeln sich hier seine Priester und Verehrer, die Wechsler und Kaufleute zu vielen Tausenden, Männer aller Farben, aller Zonen, aller Völker, und das wunderbare Gewimmel des Weltverkehrs summt in allen Sprachen. – Es ist ein großes, eindrucksvolles Schauspiel, und wohl ziemen dem Briten bei dessen Anblick die stolzen Dichterworte:
Stände die Welt auch auf, zu tödtlicher Fehde gerüstet,
Schickte Okeanos selbst feindliche Flotten uns zu:
Nimmer noch bebt, so lange der gewaltige Dreizack
Ruht in Albions Hand, dieses so prachtvolle Haus.
Also stehen die Eichen des Zeus auf den mächtigen Wurzeln;
Nur das vertrocknete Laub stören die Winde herab.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1844, Seite 241. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_11._Band_1844.djvu/249&oldid=- (Version vom 20.3.2026)