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DXVIII. Die Kirche St. Germain d’Auxerre[1] in Paris.




Paris ist arm an Denkmälern seiner Kindheit. In den verheerenden Kriegen und politischen Umwälzungen, denen die Hauptstadt von Frankreich so oft preisgegeben war, brachen die meisten ihrer alten Bauwerke zusammen, oder der modelaunige Sinn der Franzosen hat sie dermaßen von Grund aus modernisirt, daß ihnen oft nichts als ihre Stätte eigen geblieben ist.

Die Kirche St. Germain l’Auxerrois ist eine der frühesten Ansiedelungen des Christenthums in Gallien. Ihre Gründung schreibt man dem König Childebert und seiner Gemahlin zu. Sie geschah zu Ehren des heil. Vincent gegen Ende des sechsten Jahrhunderts und die Statuen des königlichen Paars sind noch heute über dem Eingang des Tempels zu schauen. Lange Zeit war derselbe die einzige Parochialkirche im nördlichen Paris und er soll früher den Namen „St. Germain le Rond“ getragen haben. 886 stürmten beutesüchtige Schaaren der Normänner die Seine herauf und raubten und verwüsteten auch in den Mauern dieser Kirche. Hundert Jahre später (998) stellte sie König Robert reicher und schöner wieder her und weihte sie dem heil. Germain l’Auxerrois (d’Auxerre), dessen Name ihr geblieben ist.

Jener für das kirchliche Interesse eifrige Fürst erhob das Gotteshaus zum Rang einer Kathedrale und dotirte ein Domkapitel, das aus einem Dekan, zwölf Canoniken, zwölf Kaplanen, Vikaren und Ministranten zusammengesetzt war. Im vierzehnten Jahrhundert wurde ein neues, größeres Chor eingebaut, und einige Jahre später begann der Thurmbau, der 1423 unter Karl VII. zur Vollendung kam.

Ganz in der Nähe des Louvre und der Tuillerien gelegen, wurde sie als paroisse royale angesehen und empfing in den glanzvollen Zeiten Ludwig’s XIV. häufig die pomphaften Aufzüge des Hofes, wenn es dem Könige gefiel, dem Herrn der Welten die Cour zu machen. Noch wird die Kanzel gezeigt, von der herab Massillon und Bourdaloux ihre salbungsreichen Reden hielten.

Die damaligen, in der Umgebung des Hofes lebenden Künstler: Boulogne, Lebrun, Coypel, Warin etc., wetteiferten unter einander, den Tempel zu schmücken; doch ist das Verdienst dieser anspruchsvollen Werke weit


  1. Nicht St. Sulpice d’Auxerre, wie unter einer Anzahl Abdrücke durch ein Versehen des Stechers zu lesen ist.