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geringer, als die Schätzung ihrer Zeit, und der Untergang der meisten in der Schreckensperiode der großen Revolution ist für die wahre Kunst kein großer Verlust. Der alles nivellirende Genius der Gleichheit, welcher, wie nach den Thronen der Könige, auch nach dem Throne Gottes seinen Arm ausreckte und die Religion als ächte Sansculottin an die Straßenecken consignirte, warf Putz und Schmuck aus den Kirchenpforten und schloß sie zu. Auch diese Phase ging vorüber. Als der Terrorismus verendet war, zogen die Priester wieder ein und Meßglocke und Weihrauch, Litanei und Gebet übten ihr altes Recht. Die Restauration machte St. Germain von neuem zur Hofkirche, eine Gunst, die ihr jedoch nach dem Sturz der ältern Bourbons genommen wurde. Von dieser Zeit an war ihre Priesterschaft dem Geiste der Julirevolution ein abgesagter Feind, und sie benutzte jede Gelegenheit, diese Gesinnung mit Ostentation zu offenbaren. Bei einem solchen Anlaß, bei der Feier des Todestags des gemordeten Herzogs von Berry, im Februar 1831, war es, als sie ihren Haß gegen die neuen Zustände so unverholen predigte, daß das gereizte Volk, von Indignation gegen die verwegenen Priester erfüllt, diese aus dem Tempel jagte und dann tobend über das Gebäude selbst herfiel und es geschleift hätte, wären ihm nicht die Bajonette zu Hülfe gekommen. Die Kirche wurde nun geschlossen und sie blieb es bis 1838, wo sie die Regierung dem Kultus zurückgab. Bei dieser Gelegenheit empfing sie in ihrem Innern eine sehr prächtige Ausschmückung, welche um so mehr gefällt, da sie im alterthümlichen Geiste des Bauwerks ausgeführt ist.

Für den Architekt war die Kirche St. Germain l’Auxerrois von jeher eine der anziehendsten pariser Sehenswürdigkeiten. Der Baumeister kann in ihr den Styl von 9 Jahrhunderten studiren, denn jede Restauration, jeder Anbau zeigt die künstlerische Eigenthümlichkeit der Zeit, in der sie entstanden. Die Kirche ist fünfschiffig und hat überdieß viele Seitenkapellen. Acht und dreißig Rundsäulen tragen die Deckengewölbe. Ihr Inneres macht eine großartige, überraschende Wirkung. Am prächtigsten ist der Chor mit seinen kühnen, spitzbogigen Kreuzgewölben und von dem Schiffe durch ein vergoldetes Eisengitter geschieden, zu dem Lebrun die Zeichnung fertigte. – Auch als Todtenstätte ist die Kirche merkwürdig; man liest viele berühmte Namen auf ihren Grabsteinen: Malherbes, Mad. Dacier, Stella, Coypel, Caylus u. A. Die schönsten Monumente gingen jedoch in der Revolutionszeit zu Grunde.

St. Germain l’Auxerrois steht auch noch auf einem andern Blatte geschrieben, als in dem Chronikon des pariser Clerus und im Nekrolog künstlerischer und literärischer Celebritäten. Sein Name ist der Prolog zu einer Schauer-Tragödie des Jahrtausends und in seinen geöffneten Pforten erblickt man die Thore des Abgrunds, aus dem einst die höllischen Geister stiegen, welche mit dämonischer Gewalt Frankreichs Volk zum Brudermord trieben.