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Am 24. August 1572 schlägt der Glöckner von St. Germain l’Auxerrois an und – die Bartholomäusnacht beginnt. Die Coligny’s fallen und die Rochefaucaulds und die Perigny’s und nach ihnen noch 700,000 Hugenotten – alle gemordet auf das Geheiß ihres Königs, der sie schützen sollte, alle gemordet auf den Rath der Priester des Herrn, welcher das Gesetz der Liebe und Duldung predigt in jedem Akt seiner Schöpfung.

O ihr Priester! Ihr, die ihr den Honig im Munde führt und den Stachel im Herzen: – sprecht uns nur noch vom Verfall des Glaubens und von Verödung eurer Tempel; klagt uns nur, daß sich das Volk lossage von euch, nicht mehr hören mag eure hohlen Worte der Heuchelei, nicht mehr sehen mag den Mummenschanz, welcher mit dem Heiligen ein schnödes Spiel treibt. Sprecht, wer hat die Schuld? Wer anders, denn ihr selber, hat die Pforten des Unglaubens aufgerissen, und wer anders, denn ihr selber, die Last der Mißachtung herbeigezogen, die euch jetzt den Nacken beugt? Seyd ihr es nicht gewesen, die das Christenthum seines schönsten Schmucks entkleideten, haben Andere ihm die Liebe geraubt, haben Andere die Leidenschaften losgekettet und aus der Religion eine Furie gemacht, haben Andere das Kreuz unseres Heilands in Brandfackel und Schwert verwandelt? Wer hat denn seit anderthalb Jahrtausenden, entweder allein, oder im Bunde mit der politischen Macht, die klarsten Quellen des öffentlichen Lebens getrübt, wer hat die Menschen durch den Glauben mit Haß und Argwohn gegen einander erfüllt, wer hat den Völkern abermals durch den Glauben ihre heiligsten Güter entlistet? – Ihr Pfaffen wollt von Christenthum sprechen und wehklagen über den Verfall des kirchlichen Sinns und der Frömmigkeit? Ei so sagt mir doch, wer ist es denn gewesen, der die Religion zum Deckmantel der Habsucht, der Herrschsucht, des Lugs und des Trugs und jeglicher bösen Leidenschaft von jeher gemißbraucht hat? Wer kreuzigt noch jetzt den Herrn alle Tage in seiner Kirche und würfelt um sein Gewand? Wollte Gott, jene Bartholomäusnacht wäre eure ärgste That! Aber viel schlimmere habt ihr begangen, viel schlimmer ist die, daß ihr den tiefen Born im Herzen der Menschen vergiftet, daß ihr das Unglück der Zeit erbrochen und das Siegel eigner Schuld aufgedrückt habt den unschuldigen Völkern. Nur durch die Gemeinschaft mit euch ist die weltliche Macht volksfeindlich geworden; die Künste der Inquisition hat sie nur von euch gelernt. Oder wer anders, als die Pfaffen, haben der Macht gelehrt, die Gedanken in ihrer geheimen Werkstätte im Entstehen zu belauschen, wer ihr gelehrt, edle Männer, die mit ihren Idealen schwärmen, für kaltblütige Verbrecher zu achten, wer sie angewiesen, auf Gesinnungen zu invigiliren, die aus der verschwiegenen Brust noch nicht an den Tag getreten, und Worte zu Hochverrath zu stempeln, die ohne alle Wirkung längst verhallt sind? Wer hat ihr den Argwohn eingegeben, welches Staatsverbrechen sucht überall, wo rechtliche Leute zusammen stehen, und eine Verschwörer-Herberge in dem Hause jedes braven Mannes wittert? Wer hat ihr gelehrt, die Geister gefangen zu nehmen und die Menschen im Staate zu willenlosen Rädern einer Maschine zu machen? „Der Codex der Hierarchie ist das Compendium der neuen Politik“, sagt Canning – ein schweres Geständniß aus einem solchen Munde. –