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seinem Reichthum eine richtige Vorstellung zu gewinnen, muß man ihn auf seinen Landsitzen aufsuchen. Die Menge solcher, deren sich kein Monarch der Erde zu schämen brauchte, ist in der That staunenerregend und macht die fabelhaften Sagen vom Luxus der britischen Aristokratie zur Wahrheit. Wie die Großen der weltbeherrschenden Roma dereinst auf ihren Villen Alles vereinigt hatten, was Kunst und Pracht Bezauberndes und Schönes hervorbringen konnten, Alles, was Herrliches und Kostbares irgendwo aufzufinden war, so hat der britische Adel in seinen Schlössern Alles versammelt, was das Leben angenehm und genußreich zu machen und den gebildeten Geist zu befriedigen vermag. Nicht auf des Schwerdtes Spitze hat er die Schätze der Kunst in seine Heimath getragen, wie einst die Römer es gethan; er hat sie rechtlich erworben und von der übrigen Welt um sein Gold getauscht.

Die Grafschaft Westmoreland, eine Landschaft, die einem großen Parke gleicht, ist mit schönen Edelsitzen besonders gesegnet. Lowther-Castle ist unter allen die Perle. Es gehört der Familie Lowther, einer der begütertsten und einflußreichsten des Landes. Der Senior des Hauses, der an den Titel eines Grafen von Lonsdale die Pairswürde knüpft, hat daselbst seinen Wohnsitz.

Lowther-Castle war bis zum Jahre 1685 eine anspruchlose ritterliche Wohnung. Damals begann Viscount Lowther, zu jener Zeit Minister und Großsiegelbewahrer, die Anpflanzung des Parks. Er fand dazu auf seiner Besitzung günstiges Terrain: tiefe Thalschluchten und hohe Felswände, rauschende Waldbäche und stille Seen, Ruinen alter Burgen und Abteien, Höhen mit weiten Aussichten, grasreiche Thäler und heimliche Gründchen. Mit glücklichem, zartem Sinn für’s Schöne der Natur und mit großartigem Geiste machte er die schönste Parkanlage im nördlichen England daraus. Die Erbauung des Schlosses aber im gothischen Styl, dessen Ansicht und im Bilde erfreut, wurde vom Vater des jetzigen Besitzers im Jahre 1808 nach dem Plane und unter der Leitung des berühmten Architekten Smirke begonnen. Es ist mit einem Aufwand von fast 200,000 Pfund Sterling 1815 vollendet worden.

Das Schloß steht fast in der Mitte des Parks, der mehre Quadratmeilen umfaßt. Schon die Fahrt durch denselben gewährt hohen Genuß. Auf mit feinem Kies bestreuten und festgewalzten Wegen rollt sanft der Wagen durch Wald und Grund, bald einem See entlang, bald über aussichtreiche Hügel, bald an Felswänden weg, von denen plätschernde Caskaden durch das Grün des Laubes glitzern, oder an der Seite murmelnder und schäumender Bäche. Der Wald selbst bietet immerwährende Abwechselung. Bald ist er ein hochwipflicher Eidenhain, bald ein dunkles Buchengewölbe, bald ragen hundertjährige Tannen himmelan, bald zeigt er junge Dickichte, bald die dünnen Bestände schlanker, haarhäuptiger Birken, bald ist’s die dunkle Kiefer, welche freundliche Gründe und bunte Bergwiesen beschattet und besäumt. Auf jedem Grasfleck des Waldes