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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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welchen jene emporklimmen kann und wo diese beginnen muß; das Klassifikationstalent eines Linné war nichts gegen das Genie der Leute, welche die Ordens-Klassifikation der Menschenrace erfanden.
Durch die Revolution wird auch dieses Treiben der Regierungen, wie so vieles Andere, sein Ziel finden. Gerichtet war’s schon früher durch die tiefe Verachtung, mit welcher allenthalben das Volk darauf hinblickte und im besten Fall den Dekorationen nur noch die Beweiskraft der – Eitelkeit zugestand. Heute wagt es bestimmt keine deutsche Regierung mehr, einem freien festen Mann von Ehre ihr Ordensbändchen anzubieten; schon jetzt gilt es für Etwas, seinen Rock von solchem Plunder rein bewahrt zu haben; und nicht erst jetzt, nein, schon lange her haben wackere Männer, denen die Achtung des Volkes genügt, solche nichtsnutzige Gnadengaben der Gekrönten in ein heimliches Schubfach verborgen, damit ihnen das Ding nicht unter die Augen komme und ihren Mannesstolz beleidige.
Alles das gilt auch von dem Orden der Ehrenlegion. So lange Napoleon, der Stifter, Herr des Ordens war, stand er noch allen europäischen Ehrenzeichen in volkstümlicher Achtung voran, der Siegerglanz des Kaisers warf seine vollen Strahlen aus ihn. Aber was haben nachher die Bourbons aus ihm gemacht? Schon unter Karl X. nannte ihn der Volkswitz das „Schuhputzerzeichen.“ Am verächtlichsten wurde er durch Louis Philipp; während Napoleon bei der Gründung die Legion 16 Kohorten stark machte und jeder Kohorte 7 Großoffiziere, 26 Kommandanten, 30 Offiziere und Legionäre gab, so daß die Gesammtzahl aller Legionsmitglieder 6512 wurde, zählte er bei dem letzten Sturze des Königthums über 100,000 Angehörige! – Das Kreuz der Ehrenlegion gehörte zu den unvermeidlichen Dingen, es wurde zu Hohn und Spott.
Im Stahlstich sehen wir das Ordenshaus. Es ist zugleich die Wohnung des Ordens-Großkanzlers. Dieses Prachtgebäude ist der Hauptschmuck der Rue de Lille in Paris. Die Devise des Ordens: „Honneur et Patrie“ (Ehre und Vaterland), die in goldner Schrift den Portikus ziert, ist, seitdem Schufte zu Tausenden das Kreuz tragen, – eine Lüge. –
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 94. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/102&oldid=- (Version vom 30.3.2025)