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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Brest, an der Spitze des weit in das atlantische Meer sich hinausreckenden Bretagner Vorlands, ist der stärkste See-Waffenplatz des französischen Nordens. Der Außenhafen, dessen Eingang zu beiden Seiten von Forts geschützt ist, ist so geräumig und tief, daß 500 Kriegsschiffe in demselben ankern können. – Der zweite, innere Hafen ist schmal, vertheidigt von Batterien, eingefaßt von prächtigen Kayen, Werften, Docks, unermeßlichen Vorrathshäusern und den Kasernen für 8000 Mann. Er faßt eine Flotte von 50 bis 60 Segeln. Die Stadt selbst, terrassenartig auf Felsgrund gebaut, ist schön und licht in ihren neuern, winklich und düster in ihren ältern Theilen. Alle der Marine eines großen Reichs förderlichen Bildungsanstalten sind hier anzutreffen: Seekadettenschule, Schule für Schiffbau, Institut für Steuerleute, Lootsenschule, Sternwarte. Auch zur Förderung des Handels hat die Regierung in Brest eine Menge Anstalten gegründet: Handelsacademie, Börse, höhere Lehranstalten für Chemie, Physik, Pharmazie und Naturkunde mit botanischem Garten und großen Sammlungen und Apparaten. – Brest war von jeher ein Schooskind des Staats und hat sich durch jene bequeme Loyalität der Gesinnung, welche die faktische Staatsgewalt stets als die rechtmäßige ansieht, unter allen Wechseln der Regierenden und Regierungsformen den Sonnenschein der Macht zu bewahren verstanden. Die Bevölkerung (33,000) findet ihre Haupterwerbsquellen in den vielen Millionen, welche der Staat Jahr aus Jahr ein für Marinezwecke verausgabt, und auch der Handel hat meist keine andere Beziehung, als dies Verhältniß. – Die Leinwand- und Tuchmanufakturen, wegen welcher einst Brest so berühmt war, ist bei Weitem nicht mehr von der früheren Wichtigkeit und andere größere Gewerbe sind nicht vorhanden.
Die Festungswerke von Brest, die Vauban anlegte und Carnot erweiterte, gelten als unüberwindlich. Ein einziges Mal (1694) wagte es eine Flotte der Briten sie anzugreifen; aber der englische Bulldogmuth holte sich blutige Köpfe: sie wurde zurückgeschlagen und eine große Zahl ihrer Schiffe von den Hafen-Batterien in den Grund gebohrt.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 98. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/106&oldid=- (Version vom 31.3.2025)