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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Es geht ein Spruch im Volk um:
Wie der Homburger Knecht
So schlecht;
So gemein,
So klein. –
Der Spruch kann nicht nach Oben schielen; denn die souveraine Landgrafschaft Hessen-Homburg war bis zum Todestage des letzten hochseligen Herrn das „beau ideal“ der Monarchie und das einzige deutsche Land, welches das göttliche Recht fürstlicher Alleinherrschaft in fleckenloser Reinheit bewahrte. Hier konnte der Sedez-Monarch in Wahrheit sagen: „Der Staat – der bin ich.“
Ich erinnere mich noch, wie in den dreißiger Jahren von Zeit zu Zeit die „gute Presse“ über die homburger Zustände ihren schuldigen Rapport machte, und wie lustig es zu lesen war, wenn man das Glück jener Zustände auf der Folie des Zwiespalts konstitutioneller Prinzipien schimmern und schillern ließ. „Wie fühlen wir uns unter dem patriarchalischen Regiment“ – so hieß es allemal – „gegen andere Staaten so glücklich! Bei uns weiß man nichts von der verächtlichen Gaukelei mit der plebejischen Freiheit; von keinem Liebäugeln und Kokettiren mit Parteien und Meinungen, von keinem Aufspiel der Freiheitslieder, von keiner Lockpfeiferei, um liberale Gimpel zu fangen. Unsere Regierung braucht den Honigseim freimüthiger Redensarten nicht in den Mund zu nehmen oder durch ein schmollendes Wort mit gerunzelter Stirn naseweise Journalisten einzuschüchtern und zurecht zu weisen. Das Szepter „Von Gottes Gnaden!“ wird von unserm „Herrn“ mit Ruhe und Würde geführt. Der Widerspruch ist hier eine Unmöglichkeit und jeden Zweifel in das Wohlmeinen unsers Fürsten erachten wir für ein Verbrechen. Das Alte im Regiment ist uns ehrwürdig, das Bestehende wird für unverletzlich gehalten, und was anderwärts die Zeit an Neuerungen geboren hat für Gesellschaft, Staat und Kirche, wird bei uns angesehen als blauer Dunst und für das, was sie wirklich sind: – nämlich Irrlichter, emporgestiegen aus dem Sumpfe unheimlicher Pöbelherrschgelüste, um Zeit und Völker zu äffen.“ – Glücklich hieß das Land Homburg, wo es dem Fürsten mit dem strengen Geist des Soldaten gelungen schien, das ganze Leben des Staats in die starren Formen des Gehorsams zu drängen und jedes Widerstreben auszurotten bis auf die kleinste Wurzel. Und in der That hatte das Ländchen die äußern Zeichen der Ruhe und Zufriedenheit.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 103. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/111&oldid=- (Version vom 31.3.2025)