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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Manche wirft mir vielleicht die Frage entgegen: Wird denn Jemand zu diesen Spielen gezwungen? Wenn Niemand mehr spielt, muß dann nicht dieser privilegirte, öffentliche Betrug von selbst ein Ende nehmen? – Diese Frage beantwortet sich am besten durch die Gegenfrage: Wohin ist die Scham jener Regierungen gekommen, welche ihrem hehren, göttlichen Beruf, vor dem Volke ein Wegweiser zu seyn zu allem Guten, Beglückenden und Ehrenden und ein Schirm gegen die schwarzen Geister der Verführung und Erniedrigung – so bis in’s Innerste untreu wurden, ja, so in’s grasse Gegentheil verkehrten, daß sie, diese Regierungen, alle Mittel ihrer Macht anwandten zur Aufrichtung, Erhaltung, Vermehrung und Erkräftigung von Anstalten, deren einziger, vor aller Welt offen daliegender Zweck nur Verführung der Einzelnen zum Spiel und Beraubung durch das Spiel ist und seyn kann? War einer jener vielen großen und kleinen Spielhöllen-Schirmherren überzeugt von der Heilsamkeit derselben für sein Volk? Oder sprach nur der „beschrankte Unterthanenverstand“ in allen jenen deutschen Ständekammern aus dem Munde der geehrtesten und geliebtesten Männer der Nation gegen dieses entsittlichende, Ehre und Tugend vergiftende, seelenmörderische Treiben der geldgierigen Finanzleute und Regenten? Nein! anerkannt wurde das Schändliche und Verderbliche der geduldeten wie der gehegten Hazardspiele, aber gewogen wurde ihr Abwurf und ihr Wesen auf der Wage des niedrigen Eigennutzes, der verächtlichen Selbstsucht: das Belehren und Mahnen und Bitten der redlichen Männer des Volks verhallte vor dem Klirren des Sündengeldes, und die Spielwuth wurde im Volke genährt durch alle Mittel der „guten“ Presse, die für ein Wort der Freiheit und Ehre nie einen Buchstaben im Kasten hatte! Hatte doch der Bayernfürst sein Königswort gegeben, das Staatslotto aufzuheben, sobald der Finanzzustand ein besserer sey. Und alsbald kam’s heraus und wurde durch das Finanzministerium bestätigt, daß schon seit vielen Jahren ein Ueberschuß von Millionen im Staatshaushalte war; doch die Erfüllung des verpfändeten Königsworts zur Abschaffung des Lotto blieb die Regierung schuldig. Ludwig I., vom Thron herabgestiegen, hat das Versprechen ungelöst zurückgelassen und jetzt erst hat die Furcht vor der entrüsteten Volksmeinung den Ablaßkasten des Betrugs zerschlagen! Schon 1843 hatten sich die Stände erboten, das ganze Sündengeld des Lottoabwurfs durch ehrliche Steuern zu decken und das arme Land von jener Pest zu heilen. Was war die unter königlicher Sanktion gegebene Minister-Antwort auf diesen ehrenhaften Antrag der Stände? „Die Regierung (so hieß es) gehe auf dieses Anerbieten nur deshalb nicht ein, weil das Lotto eine indirekte Steuer sey, zu deren Forterhebung das Gouvernement nie einer ständischen Zustimmung bedürfe“, wie dieß bei den direkten der Fall ist. Auf so schamlose Weise konnten noch vor Kurzem die höchsten Staatsbehörden das sittliche Gefühl und volksveredelte Bestrebungen mit Füßen treten, solchen Hohn trieben die besternten Menschen mit dem Volke, dessen Brod sie aßen! – Und der Bundestag? Wie nahm dieser die dringlichsten Vorstellungen um Befreiung der deutschen Erde von den privilegirten Spielanstalten, diesen Schandthaten deutscher Regierungskunst, auf? Nicht anders, als es von ihm, dem Gebrandmarkten, zu erwarten war. Er ließ der Schurkerei ihren Lauf, ließ die Staatsgewalt auf
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 105. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/113&oldid=- (Version vom 1.4.2025)