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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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die Schwachheiten, Leidenschaften und die Dummheit des Volkes ruhig fortspekuliren und ihm die Beutel leeren. Alle Anstrengungen einzelner Ständekammern, wie jener Badens, Würtembergs, Bayerns etc., scheiterten an der Geldgier einzelner Bundesfürsten. Der Landgraf von Hessen-Homburg stand nicht allein; er hatte Consorten im Bunde und in der Schande deutscher Fürsten.
Unter den großen Spielpachtwirthschaften von Aachen, Baden, Köthen, Ems, Pyrmont, Wiesbaden und Homburg ist letztere vor allen andern berüchtigt. Finden jene ihre Beute vorzugsweise unter dem Haufen der blasirten Welt, unter Narren, Verschwendern und Abenteuerern, dem häßlichen Gegenstück zu der jammernden und verhungernden Armuth, so befleckt und zerstört die Diebsbande in Homburg das Beste der deutschen Nation: Familie und Jugend! –
Die Lage dieses fürstlichen Raubnestes zwischen hochwichtigen Handels-, Kriegs- und Universitätsstädten, dazu die rasche und wohlfeile Beförderung durch Eisenbahnen und Dampfschiffe – das, nicht die Firma, unter welcher gesündigt wird, das Lockwort: „Bade-Anstalt,“ verhilft ihm zu der starken Besucherzahl, mit welcher jährlich stolzer die Saisonberichte prahlen. Darin aber liegt gerade das Entsetzliche, daß das Alter, welches der Verführung am leichtesten zugänglich ist, fast beständig seine verlockendste Quelle vor Augen hat. Wir verzichten auf die traurige Mühe, das Bild der durch Homburg bewirkten Korruption in den verschiedenen Kreisen der Gesellschaft in’s Detail auszumalen, wir erinnern nur an die schauerlichen homburger Nachtbilder in den Reisebüchern und den Berichten über Spielerunglück und Verbrechen, welche Jahr aus Jahr ein als so viel Anklagen die Zeitungen füllen, an die Commis, Handelsreisende, Offiziere, junge Beamte, Studenten, welche ihr Lebensglück auf eine Karte setzten, an die Kauf- und Handelsleute jeden Rangs, die dort mit einem Schlag ihre und ihres Hauses Kraft und Ehre niedergeschmettert sahen, an die Spekulanten aller Art, welche – eine schlimme Sucht unserer Zeit! – ohne Anstrengung reich werden wollen. Und dabei ist noch lange nicht das Entsetzlichste, daß so viele unglückliche Spieler die Zahl der Bettler und Vagabunden vermehren, oder mit Selbstmord enden, sondern daß, trotz aller dieser Schaudergeschichten, die kein Schleier verbirgt, auf welche die volle Sonne des Tags und der Oeffentlichkeit scheint, dennoch die Macht der Verführung den vollständigsten Sieg über die Kraft der Abschreckung gewonnen hat! Ueber die Leichen der Selbstmörder reißt die Leidenschaft den Spieler zum grünen Tisch hin, und lächelnd streicht der Schirmherr von Jahr zu Jahr ein höheres Pachtgeld in seinen Seckel.
Gottlob, das wird jetzt anders werden, weil es anders geworden ist. Wie alles Unrecht von Gott verlassen ist, der allein der gerechten Sache hilft; wie alles Schlechte im deutschen Staate offenbar geworden ist im Sonnenlicht der Freiheit; wie alle Macht zusammen bricht, die nicht auf dem Rechte ruht, und Alles untergeht, was dem ethischen Weltgesetz widerstrebt hat; – wie der Nimbus verschwindet, den der Aberglaube um die Häupter der Gesalbten zog, das gekrönte Verbrechen seinen unerbittlichen Richter gefunden hat und die Schuld im Purpur ihren
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 106. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/114&oldid=- (Version vom 1.4.2025)