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des Märtyrers gehabt, die verirrte Menschheit seiner Tage zu den einfachen und ewigen Grundsätzen der Natur zurückzuweisen, während die Völker, zwischen Lastern der Ueppigkeit und Armuth schwankend, den Willküren des Despotismus und der Aristokratie gedankenlos angehörten, gedankenlos vor den Gebilden des stolzen Priesterwahns knieeten und selbst Wissenschaften und Künste fast nur im Frondienste eines entnervenden Luxus ihr Leben fristeten.“

„Aber wahrlich! aller Zauber von Rousseau’s Beredsamkeit hätte das Wunder nie oder nicht so bald verrichtet; seine Schriften wären, wie andere, gelesen, gelobt und vergessen worden, hätte ihm nicht die hochfahrende Unbesonnenheit der damaligen Regierungen von Genf, Frankreich und Bern, hätte ihm nicht der Fanatismus oder die erschrockene Dummgläubigkeit der katholischen wie der protestantischen Priesterschaft und das Gebell literarischer Kläffer kräftig zu seinem Werke Beistand geleistet. Alle diese erhoben sich lärmend gegen den Weltweisen von Genf. Sie verfolgten ihn. Das machte Aufsehen; das sein Werk wichtig: Jedermann las Rousseau. Seine Schriften sandten Licht durch Europa und jenseits des Oceans. Wie Viele ihn verwünschten, so Viele vergötterten ihn. Das Uebertriebene und Unhaltbare in seinen Darstellungen flog endlich, wie leichte Spreu, in den Schwingen der Zeit vom Waizen ab; aber der Waizen blieb und trug seine Früchte. Die Verfolger der Wahrheit und Volksaufklärung sind zu allen Zeiten die thätigsten Verbreiter derselben gewesen.“

So weit Zschokke. Ich füge hinzu: Jean Jacques war ein Apostel; wenn er zürnte, zerschmetterten seine Worte wie Donnerkeile; wenn er strafte, waren sie blutige Geißeln; wenn er spottete, vernichtete er; wenn er verfolgte, mußte der Betrüger selbst sich überliefern; wenn er liebte, brachte er jegliches Opfer: – seine Geliebte war das ewige Menschenrecht, seine Freundinnen die Freiheit und die Wahrheit. Er hatte ihnen den Eid der Treue bis in den Tod geschworen und hat den Eid gehalten bis in’s Grab. Er war ein Richter seiner Zeit, ein Tröster der Trostbedürftigen, der befruchtende Thau für die in der Sonnenglut der Tyrannei welkende Menschheit; der Blitz und der Sturm, der die Erde von dem Dunst des Aberglaubens rein fegte; der Befreier, der die Geister entfesselte; der Zauberer, welcher die Gedanken aus der Tiefe der Seele rief; der Kundige, der in den Herzen die verborgensten Kammern öffnete; der Arzt, der das kranke Leben der Völker heilte; der Arm Gottes, der, mit Kraft und Stärke ausgerüstet, den Knoten der Geschichte schürzte; der Versöhner der hoch aufgehäuften Schuld: – Rousseau war am Zifferblatte der Ewigkeit die Zahl, jenseits welcher ein neues Weltjahr beginnt und Rousseau’s Schriften sind der Altar, auf dem die Flamme der Offenbarung der Völkererlösung zuerst gelodert, auf dem das erste Rettungsopfer dargebracht wurde; ein Besitz der gesammten Menschheit und wie ein Heiligthum hoch zu achten. –

Genf, das zuschaute, wie das Pfaffenthum den großen Mann verfolgte und ihn endlich sogar aus seiner Vaterstadt vertrieb, hat ihm nach seinem Tode ein Denkmal gesetzt. Ihn, Rousseau, kann’s freilich nicht ehren;