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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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der Vernichtung, damals, als Gott seine Wasserfluthen über die sündige Menschheit spie, und dort rettete die erste Barke die letzte Familie auf des Ararats Höhe. – Auch bauten in Iran sich die Menschen die ersten Hütten und in Iran suchen wir die ersten schwachen Anfänge und Grundlagen der Gesellschaft, die ersten Gesetze, die ersten Versuche zum Bau der Staaten. Dort kamen die Helden und Eroberer auf, dort die ersten Sänger, die ihre Thaten verewigten; dort führte das Recht des Starken zur Herrschaft des Einen über Viele, – dort hat die Monarchie ihren Ursprung, von dort zogen die ersten Verbreiter ihrer Lehre mit dem Schwerte aus und wurden Gebieter über fremde Lande. So entstanden die Reiche in Indien, Aegypten, Palästina, in Syrien und Saba, in Kleinasien und Phrygien; von da aus begannen die reichbegabten Lieblinge Gottes, die Griechen, ihre Mission, die Herrschaft des Geistigen über das Leibliche für immer zu befestigen und die ganze Erde mit den Schätzen der Bildung und Gesittung zu beglücken, und dort ist das Urbild jenes Torso zu suchen, des Gewaltigen, welcher sich zum Streite gürtete, vor dem die Könige wichen und die Völker ihre Häupter beugten; und dort hat auch die spätere Zeit noch einen Heros geboren – Cyrus – welcher die Welt in Ketten zu legen sich vornahm. Mit Cyrus, dem Begründer der persischen Macht, die er zum Weltreich zu erheben trachtete, der Crösus besiegte, Babylon eroberte und ganz Kleinasien unterwarf, tritt erst die eigentliche Geschichte Persiens an den hellen Tag, und nie ist sie auch glänzender gewesen, als unter ihm und seinem Nachfolger Cambyses, welcher Aegypten dazu bezwang und Cypern und Tyrus unterjochte. Die nach ihnen kamen waren Thoren oder Tyrannen, saßen auf ihren Stühlen und handhabten das Zepter wie ein Schwert, oder, in ihrer Macht und Herrlichkeit übermüthig, spielten sie die Götter und waren nur darauf bedacht, wie sie den unterworfenen Völkern unzerreißliche Fesseln anlegen möchten. Der Sturm, mit dem Alexander die Reiche der alten Welt niederwarf, machte auch dem der Cyrus-Dynastie ein Ende. Es herrschten fortan die Seleuciden, welchen, nach kurzem Bestande, die Alsaciden als Beherrscher des Perserreichs mit fast fünfhundertjähriger Dauer (bis 229 n. Chr.) folgten. Die gewaltigen Kämpfe mit dem römischen Weltreich beginnen in diesem Zeitraume und füllen das erste Jahrhundert der nachfolgenden Dynastie der Sassaniden aus, welcher Persien bis zur arabischen Herrschaft gehorchte. Die Kultur der frühern Zeiten artete unter den immerwährenden innerlichen und äußern Kriegen aus; die Städte des Alterthums, verheert, verödet und verlassen, verschwanden von der persischen Erde und das Volk verwilderte. Einzelne der Sassaniden waren mächtige und gewaltige Männer; aber sie waren Meteore, Flammenschweife hinter sich herziehend und die Länder, die sie überzogen, düngend mit dem Blute der Völker. Kosru II. unterjochte ganz Mittelasien, drang bis in’s Herz von Afrika, kettete Aethiopien und Lybien und ließ, ein anderer Timur, die Araber seine schwere Hand fühlen. Solche Verheerungszüge konnten zwar glänzende Eroberungen vollbringen, aber keine dauernde Herrschaft begründen. Die Kraft des persischen Volks
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 128. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/136&oldid=- (Version vom 5.4.2025)