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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Teheran, welches an Ispahans Stelle seit einem halben Jahrhundert zur Hauptstadt des Reichs und Residenz des Schahs erhoben worden ist, gibt in seiner Erscheinung das treue Bild vom Ruin des Landes. Der Ort ist selbst großentheils Ruine, obschon die jüngste der persischen Städte. Man denke sich einen Haufen von zehntausend schlechten Lehmhütten, planlos, wie es der Zufall gegeben, in winkligen, engen, stinkenden Gassen zusammen gebaut, aus denen sich da und dort die Kuppel einer Moschee, daß Dach einer Kaserne und die Gebäude der Residenz des Schahs, einige Pappeln und bis an die Gipfel gestutzte Platanen heraus heben. Ein trockener Graben mit einer breiten Lehmmauer umgibt die Stadt, die man von keiner Seite betreten kann, ohne von dem Anblick der tiefsten Armuth, des Schmutzes und des Elends betroffen zu werden. In allen Gassen liegt der Schutt eingestürzter Häuser, über welchem die Bevölkerung gleichgültig sich den Weg bahnt. Nirgends ist eine Spur von Erhaltungssinn oder Ordnung zu finden: – leblos und traurig schleichen die Menschen dahin, Verzagtheit und Verschlossenheit im Ausdruck, Unlust bei allem Thun und Treiben. Es ist einem Jeden in’s Antlitz geschrieben, daß der Mensch hier nichts ist als ein Spielzeug der Laune seines Gebieters, daß weder Personen noch Eigenthum die mindeste Sicherheit und Gewähr haben und daher Niemand mit der Zukunft Rechnung führt. Gedankenlos lebt man hin von einem Tage zum andern, ungewiß, was das Geschick der nächsten Stunde verhängen wird. –
Teheran hat kaum 40,000 Einwohner – wie wenig für die Hauptstadt eines Reichs, das fast zweimal so groß als Deutschland ist und eine Bevölkerung von 14 Millionen zählt! – Ein Drittel der Stadt nehmen die Gebäude der Residenz mit den Kasernen und der Citadelle ein. Der Säbel ist hier das Zepter. Der Schah hält sich eine berittene Leibwache von 8000 Mann, und ein Theil derselben ist stets in der Ausführung seiner Verfügungen zur Steuererhebung begriffen, die der Fürst im ganzen Lande militärisch betreibt und welche nichts weiter ist, als ein System der Brandschatzung und Erpressung, unter dem die letzten verborgenen Quellen des Wohlstandes und des öffentlichen Glücks vertrocknen.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 130. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/138&oldid=- (Version vom 5.4.2025)