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mit dem Nimbus philosophischer Weisheit, den Menschen zum Götzen macht mit dem Marktschreierrufe: – Das ist der wahre alleinige Gott und neben diesem gibt’s keinen andern.

Seitdem die Geschichte den leidigen Beruf ausübt, die menschlichen Irrthümer und Thorheiten in ihre Tafeln einzugraben, ist kein verächtlicherer Baalsdienst erfunden worden, als diese Adoration des menschlichen Ichs. Nie hat der irrende Gedanke einen tollern Begriff erzeugt, nie hat größerer Unsinn um Jünger und Gläubige geworben. Welche Demüthigung für die hochfahrende und dünkelvolle Gegenwart, wenn man einst ihre Periode mit der Aufschrift bezeichnet: „Zeitalter der Götter mit Fleisch und Bein, in Blouse und schwarzem Frack!“ –

Gestattet mir, ihr stolzen Götter des Tags, daß ich euch einen Spiegel vorhalte, eure Riesengestalten darein zu schauen. Tretet hinaus mit mir in die Nacht, unter den Azur des Firmaments mit seinen Milliarden Welten. Dort in dem Sternenring, in dessen milchweißem Schimmer der Glanz von Millionen Sonnen aufgeht, in ihm dreht sich auch unsere Sonne mit ihrer Erde, und dort, wo die Alcyone ihr funkelndes Licht in den Weltraum wirft, da ist die Axe für jenes schimmernde Weltenrad, die Centralsonne nämlich, welche jenem prächtigen Sternengürtel die Bedingungen seines Gesammtlebens und seiner Bewegung verleiht. Jedes Sonnenjahr, – ich meine die Zeit, in welcher unsere Sonne einmal ihre Kreisbahn um die Alcyone vollendet, – faßt 180 Millionen Erdjahre. Sechs tausend der letztern zählt unsere Geschichte, d. h. so lange zählt das Menschengeschlecht seit dem ersten Erinnerungsschein aus seiner Kindheit: und dieses Kinderlallen von sechs Jahrtausenden, das nennt der Mensch bei dem prächtigen Namen: Weltgeschichte. Dreißig tausend solcher, das ganze Menschheitsleben seit der ersten Sage umfassenden Zeiträume machen aber erst ein einziges Sonnenjahr. Wie wird nun dem Sonnenbewohner der ganze Zeitraum unserer Weltgeschichte erscheinen? eine Viertelstunde. Und die Menschheit? eine Ephemere. Und der Mensch? die Vergleichung fehlt mir; kein Maßstab ist so klein, es auszudrücken. Und das Menschenleben? ein Augenschlag.

Und du – Mensch! – willst den allen Herrgott schelten, du Erdengast des Augenblicks willst den Vater der Ewigkeit vor die Thüre werfen und dich selbst zum Herrgott proklamiren? – Wie? kann denn ein Stäubchen, das einen Moment im Sonnenstrahle zuckt, die Sonne aus ihrer Bahn verdrängen? – Erröthest du nicht vor diesem Spiegelbilde, und erschrickst du nicht vor der entsetzlichen Bornirtheit, die es dir möglich gemacht hat, dich zum Anhänger und Gläubigen der absurdesten Lehre zu entehren, welche je ein philosophischer Narr den Menschen aufgeheftet hat? Ein Blick in’s Universum, dessen Vorhang dem gesunden Menschenverstande immer aufgezogen erscheint, reicht hin, alle menschliche Hoffart und ihre Ausgeburten unfehlbar zu zerstören. Von allen Gaben Gottes an die Menschen ist die Fähigkeit dieses In-den-Weltraum-Schauens, dieses Berechnens, Fassens