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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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zu hoffen. Mag sie immer noch stolz ihr Haupt recken, oder mag sie mit verstellter Schlauheit emsig dem Volke schmeicheln; es wird ihr, dieser glitzernden Genossenschaft von Leibeigenen im Dienste der Höfe und der Lüge des Lebens, nichts helfen. Ihre Standesehre ist vor dem Volke hingeschwunden für immerdar, und daß historische Recht ihres Besitze findet im Rechtsbewußtseyn der Nation keinen Glauben mehr. Entkleidet von dem trügerischen Nimbus sieht sie in diesem gepriesenen historischen Rechte nur den verjährten Mißbrauch und das altersgraue Unrecht. Vor den Revolutionen hat kein Recht der Verjährung Gültigkeit. Schnell fahren sie über die Jahrhunderte bis zum Ursprung des Mißbrauchs hin und fordern unerbittlich den geraubten Besitz zurück. Wie sie in Frankreich den Baronen vordem mit einem Federstrich den ganzen Feudalbesitz abgefordert hat, so wird sie auch in Deutschland zu rechter Stunde mit den Lehnträgern der Usurpation kurze Abrechnung halten. Nicht auf ein Flickwerk hat’s die Zeit abgesehen, wie man den Fürsten und der Nation wohl weiß machen möchte; nicht auf halbe Arbeit, die nur mechanisch theilt und Ungleichartiges gewaltsam zusammen bindet; nicht auf Palliative für das kranke Leben, sondern auf dessen gründliche Heilung. Die Aristokratie der Geburt ist daß älteste Krebsgeschwür am deutschen Volkskörper. Es muß entfernt werden, sollte es auch herausgebrannt werden müssen, damit der Körper wieder in frischer Gesundheit erblühe. Darum, ihr Angehörigen der Geburtsaristokratie, ihr von Adel und ihr Standesherren, laßt euch rathen! Harrt nicht, bis von der Revolution, die doch nun einmal als eine unleugbare Thatsache in die Gegenwart getreten ist, mit euerm Unrecht auch euer Recht hinaus geworfen werde! Bedenkt, daß Alles, was mit seinem Bestande auf Mißbrauch und Schlechtigkeit angewiesen ist, nicht mehr Gnade vor der öffentlichen Meinung findet. Darum werft die Thorheit des leeren Hochmuths auf blos conventionelle Vorzüge, den Trödel äußerer Auszeichnung mit dem ganzen dünkelhaften Junkerthum, das ja ohnehin der Spott des Volks geworden ist, von euch, flieht den langweiligen Müssiggang der Höfe und die faden, kahlen, flachen, leeren, im Grunde so gemeinen Zirkel der blasirten Welt, und wer Adel der Gesinnung wirklich im Herzen trägt, der rette den letzten Rest von Achtung, die euerm Stande noch anklebt, durch die Metamorphose zum wahren, rechten, tüchtigen, ehrenfesten Bürger und wirke als solcher im regen öffentlichen Leben, in der Gymnastik der Volksbewaffnung, in der Schule der Wissenschaft und in Allem, was das Volk achtet und ehrt und was beiträgt zu seinem Wohle. Ihr habt ebenfalls Ketten zu brechen: wären sie auch vergoldete. Brecht sie, die schimpfliche Leibeigenschaft eueres im Hofdienst, in Tand und Schein der Etikette und in leeren conventionellen Formen aufgehenden Lebens und – vor allem Andern! – wendet euch ab von dem Phantom eures historischen Rechts, das, außer euch selbst, keinen Menschen mehr täuscht. Wartet nicht, bis man euch Rechte aufzugeben nöthigt, welche keine sind; sondern reicht sie dem Volke als freiwilliges Opfer dar und sucht euch damit des Volkes Dank zu erwerben. Für eine erzwungene Gabe wird niemals Erkenntlichkeit getauscht. Das Schicksal der französischen
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 137. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/145&oldid=- (Version vom 5.4.2025)