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Gewohnheit der langen Censurnacht, in der wir das Leben hingebracht haben: wir sehen bei hellem Tage und mit offenen Augen nicht den ganzen Moder und die Fäulniß unserer Zustände und das Gewimmel der Maden und Molche in unserm Staatsleben; – und wer möchte auch darnach schauen in den ersten Stunden der heiligen Begeisterung für deutschen Volkes Freiheit und Unabhängigkeit und für Alles, was den Menschen, den Bürger, die Nation ehren und erheben kann! Aber dieser Frühling des Gefühls geht vorüber, wie jeder Frühling – der weinigen Gährung muß die essigsaure auf dem Fuße folgen. Dann werden wir wohl Manches belächeln, was jetzt als groß gedacht und klug entworfen auf der Tagesordnung der Gegenwart steht, und mit bitterer Ironie werden wir auf das Thun und Streben von Männern zurückblicken, die, obgleich der großen Mehrzahl nach, gewiß mit der redlichsten Absicht, sich der fruchtlosen Mühe unterziehen, Unvereinbares zu einigen und gegnerische Interessen zu verbinden und zu versöhnen. Das Sprüchwort sagt: im Kampfe mit der Dummheit richten selbst die Götter nichts aus: – die Allmacht selbst aber vermag nichts gegen die Trennungskraft von Elementen, Ideen, Begriffen und Zuständen, welche das ewige Naturgesetz geschieden hat.


Werfen wir nun einen Blick auf BadenBadens Landschaft und Stadt.

Im schwäbischen Gebirge, dem dunkeln Schwarzwalde, hat sich das Murg-Flüßchen ein tiefes Thal gegraben, welches, ohne auf Großartigkeit Anspruch zu machen, doch eine Menge Naturschönheiten in sich vereinigt. Streckenweise unbewohnt, wild, schauerlich, öde und still, lärmt und klopft an andern Orten das rührige Leben der Schneidemühlen, Poch- und Hammerwerke und aus Stollen und Halden in der Thalwand guckt der verborgene Fleiß des Bergmanns. Die prächtigen Wälder, die bis zum Thalgrund hinabsteigen, bestehen aus Fichten und Weißtannen und alle Schluchten und Höhen dampfen von den Meilern der Köhler und den Oefen der Kienrußbrenner und Theerschweeler, welche hier im innungsmäßigen Verbande stehen.

Eine schmale Kette kegelförmiger Waldberge trennt das Murgthal mit seinen anspruchlosen Bewohnern von dem betäubenden Geräusch der großen Welt in dem besuchtesten Kurort des Welttheils. Baden-Baden brüstet sich mit einer Kurliste, die schon bis auf 27,000 Namen in einer Saison anstieg: Besuchende, nicht Kranke. – Kaum der zehnte Theil wird vom körperlichen Wehe hierher geführt; die übrigen lockt das Vergnügen; tausende das Spiel.

Die Gegend ist schön. Die Bucht, an deren Rand der freundliche Ort gebaut ist, wird von einem Halbkreis von Bergen umgeben, auf deren Gipfel das Grau verfallener Burgen mit dem Grün des Waldes anmuthig wechselt, und umsäumt von Rebgeländen und Obsthainen, aus denen die Menge niedlicher Häuschen