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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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und Begreifens der Weltordnung und der Wirkungen ihrer Gesetze nach Raum und Zeit die allergrößte, und der Spruch eines Weisen des alten Bundes:
gilt noch heute wie vor vier tausend Jahren.
Wen aber das liebe Angesicht Gottes am Himmelszelt nicht erfreuen und erwärmen kann, und auch seine Stimme im Sternenchor nicht bekehrt; – kurz, wer von seiner Narrheit nicht lassen will, dem ist freilich anders nicht zu helfen, als durch die Zwangsjacke des ewigen Sittengesetzes, das er vergebens verleugnet. Wer bricht den ungebärdigen Geistern die Gewalt, wenn sie, ihrem Wahne sich hingebend, alles Maß vergessen, alle Schranken überspringen? Wer hängt das Blei an ihre Fittige, wenn sie ihren Flug jenseits der Grenzen der Vernunft, des Rechts und der Wahrheit richten? Eben Das, was sie verspotten. Bei allen Wandlungen in den Anschauungs- und Vorstellungsweisen der Zeit wird sich immer wieder die Erfahrung geltend machen: daß, um so hoffärtiger der Mensch in seinem Wahne ist, um so tiefer er fällt, und je heftiger und frecher er sich auflehnt gegen die Gesetze der sittlichen Welt, je gewisser ist seine Demüthigung. Aller Emancipationsdrang gegen Gottes Gebot endigt in Schmach und Verwirrung. So ist’s geschehen in den frühesten Tagen und so wird es seyn in den spätesten Zeiten.
Also nicht Dieses, daß Gefahr drohen könnte den unwandelbaren Grundlagen der sittlichen Welt aus dem Wahnwitz, welcher Gott verleugnet und der Moral und dem Rechte spottet, – darf uns beunruhigen, sondern um der Narren selbst willen soll uns ihre Narrheit bekümmern. So lange das Auflehnen gegen Gott und seine Weltordnung Sache der Schule war, so lange blos der Philosoph die Schellenkappe trug, so lange hatte es wenig zu sagen. Das Betrübende aber ist, daß die Lehre der Negation Dessen, was wir für heilig und unwandelbar achten, arglistig unter das Volk ausgestreut wurde, daß sie die Vorstellungsweise der Massen vergiftet und da Verwüstungen anrichtet, wo ihnen wahre Bildung keinen solchen Damm entgegen setzen kann, wie in den vornehmern Zirkeln der Gesellschaft. – Indem die Apostel und Verbreiter jener Lehre arglistig den Landbewohnern und Arbeiterklassen weiß machen, daß man blos bestrebt sey, sie in den Kreis der höhern Civilisation zu ziehen, ruft man die Waffen des rohen Verstandes und einer ungezügelten Phantasie zur Bekämpfung des Edeln in der Menschennatur auf und stachelt die wilden Gelüste zur Ausrottung der Begriffe von Gott, Recht und Tugend. Die tonangebenden Geister – jene Menschen ohne Gott, ohne Glauben, ohne Tugend, ohne Ehre, ohne Trost im Herzen – mißbrauchen die Gewalt des schriftlichen Worts, um unter dem Vorwand, das
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 7. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/15&oldid=- (Version vom 28.3.2025)