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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band | |
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Geheimniß der höhern Bildung und Geistesemancipation zu verrathen, die Proletarier und Bauern zu entsittlichen und in den Abgrund der Corruption herabzustürzen, in welchem sie selbst sich wälzen. Man bietet den Massen das Schlechteste an, was die Schlechten der vornehmen Stände brandmarkt: – Sittenlosigkeit, Rechtsverhöhnung und Atheismus. Man sagt ihnen, wenn sie die Laster jenes Auswurfs der Höherstehenden kennen gelernt und sich angeeignet haben, daß sie nun den praktischen Kern vornehmer Bildung besitzen. Von den Gütern ächter Civilisation lassen jene Apostel der Vernichtung keinen Brosamen in das Volk fallen, und wenn es darnach verlangen sollte, so sagen sie ihm, es sey nicht der Mühe werth, darnach zu greifen. Kann es unter diesen Einwirkungen ein Wunder nehmen, daß sich das Streben nach Anarchie in allen Richtungen der Lebensverhältnisse und der tiefe Haß gegen die gesellschaftlichen Gesetze unter den untersten Klassen immer heftiger kund gibt? Der Mensch, der die ewige Wahrheit verspotten gelernt hat, der keinen Gott mehr im Herzen hegt, als sein eigenes schmutziges Ich, dem die Tugend nur noch ein Popanz ist für Kinder und das Eigenthumsrecht eine Fiktion – der kann auch die gesellschaftliche Ordnung überhaupt nur noch als eine nichtswürdige Fessel ansehen, und er muß streben, sie zu zerbrechen. Ist das Menschliche ausgezogen und die Bestialität der Natur allein noch geltend, so wird der Mensch, sobald er sich befreit hat, als Bestie wüthen. Das ist aber volles Wasser auf die Mühle Derer, die am entgegengesetzten Ende stehen und die Völker mündeln, zwingen und knechten, nicht von Gottes Gnaden. Wo das Dämonische die Massen bewegt, da ist despotisches Gelüst und mittelalterliches Gewaltrechtsstreben um Rechtfertigung nie verlegen, und bereitwillig stellt sich die Furcht vor den Gräueln der Anarchie unter den militärischen Gehorsam. Jene Furcht – sie hängt in unserer Zeit als die schwerste Last dem Genius des Fortschritts zur Freiheit und Humanität an den Füßen. –
So leben wir einerseits unter den Symptomen einer schreckenerregenden Verwilderung, deren unheimlicher Geist die Menge mit seinem Hauche vergiftet hat, – eine Erscheinung, die die allertrostloseste ist von allen traurigen der Gegenwart und namentlich in Deutschland Zustände herbeiführt, ähnlich denen, unter welchen Frankreich kurz vor dem Ausbruch der französischen Revolution seufzte, – andererseits unter den wahnwitzigen Bestrebungen einer mit Blindheit geschlagenen Kaste, welche Begriffe, Wesen und Institutionen des Mittelalters auf die Gegenwart zu pfropfen und die Völker auszubeuten trachtet wie Heerden, statt sie zu beglücken. Nur zwischen diesen Extremen waltet ruhiges Schaffen und Leben als erfreuliches Zeichen, daß darum die Menschheit nicht stille stehe auf dem Kulturpfade, weil es Leute gibt, die vom alten Gott der Psalmen die Abdikation fordern, oder die Rechtlosigkeit der Völker behaupten. – Es ist die stille, ruhige Entfaltung der Wissenschaften, die Vermählung derselben mit dem praktischen Leben, welche uns, ohne daß wir es fordern, ja ohne daß wir es uns recht bewußt werden, mit den Elementen für ganz neue Zustände und Wandlungen beschenkt, die dem
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam, Philadelphia 1847, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_12._Band_1847.djvu/16&oldid=- (Version vom 28.3.2025)