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er sie abwechselnd den Schweden und den Kaiserlichen, und endlich 1644 den Franzosen unter die Füße warf, und das Ende des Jahrhunderts zeigte dem Wanderer auf der Stätte, wo einst Speyer stand, einen von Mauertrümmern umgebenen Schutthaufen, aus welchen als einziges Denkmal aus den Tagen ihrer Pracht und Größe der Kaiserdom emporragte.

Es war ein schweres Gericht über die Stadt ergangen; mit der ganzen Pfalz büßte sie für die Sünden des im westphälischen Frieden von seinen Fürsten für immer zerrissenen Kaiserreichs.

Im Frühling des Jahres 1689, an einen, Maitage, hatte des alten Speyer letzte Stunde geschlagen. Ludwigs XIV. Söldlinge, die im Jahre zuvor Herren der Stadt geworden waren, sahen sich genöthigt, dem endlich herbeiziehenden Heere des Kaisers und seiner Verbündeten das Feld zu räumen. Vor ihrem Abzuge fügten sie zu den Titeln ihres „großen“ Königs den eines gekrönten Mordbrenners. Nachdem sie die Befestigungswerke der Erde gleich gemacht, alles Werthvolle, die Archive und Gerichtsakten sogar, davon geschleppt und die Bürger geplündert hatten, gingen sie an die Zerstörung der ganzen Stadt. Unter das Thier war im Wüthen und im Verwüstungseifer die Soldateska gesunken! Am Dome wurde bis auf das unerreichbare Mauerwerk alle Pracht vernichtet, man drang in die Gruft, riß die Särge an das Tageslicht, beraubte die Leichen ihres Schmucks, warf die Gebeine umher und schob mit den Köpfen der deutschen Kaiser Kegel! Da rollten die Schädel von Mann und Weib, von Vater und Sohn, von Freund und Feind, und nur Einen hat man später wieder erkannt – den Schädel des Königs Albrecht – an dem Schwerthieb, an welchem er in des Bettelweibes Schooß gestorben war. Als die Franzosen sich an diesem weltgeschichtlichen Kegelschub sattsam ergötzt hatten, steckten sie die Stadt an allen Ecken in Brand. Ueber das einst so herrliche Speyer schien der jüngste Tag hereingebrochen zu seyn. Ja, es war der Wille des Franzosenkönigs, daß eine Wüste seine Stätte bezeichnen solle, denn die Bewohner, welche ihr Leben aus Brand und Mord gerettet hatten, sollten, so wollte es Ludwig XIV., sich auf französischem Gebiete niederlassen und dafür der monarchischen Großmuth ein Jahr lang Unterhalt und die folgenden zehn Jahre Abgabenfreiheit zu danken haben. – Die treuen Speyerer wandten aber der königlichen Gnade ihres Henkers den Rücken, sie wanderten am Bettelstab zurück an den Ort, wo ihre Paläste gestanden hatten und bauten um den alten Dom eine neue Stadt an. Der Baum ihres Glücks war jedoch an der Wurzel beschädigt. Speyer hat sich nie wieder erhoben. Wo einst die mächtige freie Reichsstadt ihr gefürchtetes und geachtetes Banner erhob, belehren uns seit 1815 blauundweiße Schlagbäume und Wappen, daß man vor einem bayerischen Orte steht, und sein Titel „Kreishauptstadt“ höhnt gleichsam die alte Herrlichkeit.

Das Schicksal Speyers und die Verwüstung der Pfalz ist seit zwei Jahrhunderten das offizielle Thema, um Franzosenhaß und Franzosenfresserei im deutschen Volke zu unterhalten, und noch 1840 mußte der gute Michel das freie Rheinlied singen, als die erschrockenen Vierunddreißig hinter seinem breiten Rücken Sicherheit suchten. Das ist nun hoffentlich auch vorbei für immer. Der Deutsche weiß jetzt, daß er nicht erst von den Franzosen