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DXXXXVII. Emden in Ostfriesland.




Neue Schwungkräfte bewegen die Gesellschaft, und, angetrieben von der allmächtigen Meinung, dreht sich das Rad der Länder und Völkergeschicke in immer rascherm Fluge. Das Greisen-Geschlecht, das die Zeiten von vorhin gesehen, kann sich in die Gegenwart nicht finden. Es tritt ab, noch ehe es abgestorben ist, oder es wird von dem Rade der Zeit weggeschleudert. Die Generation der Männer ist erwachsen indem großen Umschwung der Dinge und hat zum großen Theil dabei mitgewirkt. Dieser macht die Jugend das Ruder streitig, – eine Jugend, die, von der Gegenwart erzogen, keck herandrängt und sich weiser dünket, als die Väter; eine Jugend, lebendig, betriebsam, klug und gewandt, muthig bis zur Verwegenheit, abgeneigt allem Alten bis zum Fanatismus, begeistert für alles Hohe, was die Idee gebiert; eine Jugend, die Theil nehmen will am öffentlichen Leben und die nicht nur von ihrem Berufe, sondern auch von ihren Fähigkeiten fest überzeugt ist, und welche ihre Ansprüche um so höher steigert, je häufiger sie in den alten Inhabern der Gewalt nichts gewahr wird, als eine Masse abgeschmackter, unfähiger, in ihren Anmaßungen bis zur Albernheit beschränkter und erstarrter Menschen, an denen alle Lehren des Schicksals vorübergingen wie Plato’s Weisheit an einem Idioten.

In dieser wirbelnden Bewegung, wo sich Altes vom Neuen scheidet und in furchtbarem Zwiespalt, in heftiger Wirkung und Gegenwirkung einander bekämpft und aufzureiben trachtet, thut es Einem wohl, den Blick in eine Ecke des Vaterlands zu werfen, wo sich ein kleines Volk selbstständig und heimisch entwickelte, das den Schatz der Ruhe auch noch in den Stürmen der Gegenwart zu retten wußte und jene Stätigkeit bewahrte, welche auf dem in sich gewährten unerschütterlichen Bestand und Besitze ruht. Der Stahlstich führt uns dahin, – unser Bildchen von der Stadt Emden im fernen Ostfriesland.

Der Bewohner des Binnenlandes und der Ebene sehnt sich nach Gebirg und Meer. Als Kind lauscht er keinen Mährchen und Sagen lieber, als denen, welche in den schauerlichen Klüften oder auf den schwindelnden Höhen der Berge vor sich gehen, oder von den unheimlichen Tiefen und grausigen Stürmen und Gefahren des endlosen Wassers erzählen, und als Jüngling ist sein kühnstes Reiseziel wiederum Meer oder Gebirg, wo die Natur zu Wagnissen herausfordert und der Kampf mit den Elementen Leib und Seele stählt. Aber auch der Mann, der erfahrene, gereifte, weilt bei der Betrachtung der verschiedenen Völker und ihrer Thaten und